Steven Gerrad in der Major League Soccer : Liverpool meets Los Angeles

Die us-amerikanische Fußball-Liga Major League Soccer (MLS) kommt im öffentlichen Bewusstsein der US-Sportszene kaum voran. Kann Steven Gerrard das bei den Los Angeles Galaxy ändern? Ein Besuch bei seinem ersten Auftritt.

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Das majestätische im Auftritt von Steven Gerrard (l.) endet in drei, zwei, eins...
Das majestätische im Auftritt von Steven Gerrard (l.) endet in drei, zwei, eins...Foto: afp

Es ist der 4. Juli. Und am Nationalfeiertag bekommt auch das Vorspiel beim Spitzenklub der Major League Soccer (MLS) seine Prise Patriotismus ab. Die Folgen eines Feuerwerks nebeln das Spielfeld im Stadion von Carson derart ein, dass in den ersten Minuten des Meisterschaftsspiels der Los Angeles Galaxy gegen den FC Toronto dicker grauer Rauch das Zuschauen erschwert. Wer es böse meint mit der MLS, und das sind im gefühlten Hochadel des internationalen Fußballs viele, der mag sich da denken: Nicht so schlimm, muss man sich das Elend zumindest in den Anfangsminuten nicht anschauen. Denn: Das Spiel ist langsam, taktisch unausgereift und daher auch vom Zufall abhängig.

Die nordamerikanische Liga, 1993 gegründet, wird ihren Ruf nicht los, im Wesentlichen ein Mekka für alternde Weltklassefußballer zu sein, die vor dem Ruhestand noch mal abkassieren wollen. Und die MLS arbeitet auch kräftig an ihrem Image, am Samstag in Los Angeles wird in der Pause des Spieles gegen Toronto der nächste Superfußballer in den gut bezahlten Vorruhestand gejubelt. Über 25.000 Zuschauer jubeln, als Steven Gerrard das Spielfeld betritt. Im Anzug. Sein neuer Klub verdient bereits an ihm, obwohl der Mittelfeldmann mit 114 Einsätzen für England erst ab Mittwoch spielberechtigt ist für Los Angeles: Für 109 Dollar werden die Trikots von Steven Gerrard im Stadion feilgeboten.

Steven Gerrard ist viel netter als David Beckham

Der Mann von der Mersey, der Engländer, der seit Jahren das Gesicht des FC Liverpool war. Nach 26 Jahren hat Gerrard nun seinen Heimatklub verlassen - um mit 35 Jahren in Los Angeles abzukassieren, 7,5 Millionen Euro für 18 Monate Kalifornien. Als Gerrard verfolgt vom Fotografen-Tross über den Platz schreitet, flimmern Bilder aus seiner Liverpooler Zeit über die riesige Videoleinwand im Stadion. Die Szene hat etwas majestätisches. Bis Gerrard dann den Mund aufmacht. Er spricht zu den Fans. Besser gesagt, er reiht ein paar nette Banalitäten zusammen: "Ich bin fantastisch aufgenommen worden hier", sagt er. "Ich fühle mich schon zuhause in Los Angeles. Ich bin aufgeregt und kann es nicht abwarten, bis ich endlich meine Stiefel anziehen kann." Ein Fan-Spaßvogel auf dem Rängen ruft dazwischen: "In English!" Denn verstehen kann Gerrards starken Liverpooler Akzent hier wohl nicht jeder, aber es hat etwas rühriges. Liverpool meets L.A. Viele Fans glauben, das lässt sich dem Stadionheftchen entnehmen, dass der Gerrard viel netter und volksnäher als der David Beckham sei.

Aber das mit Beckham war eine Symbiose. Mit dem Namen Beckham, der zwischendurch auch viel lieber beim AC Mailand spielte, haben sie kräftig verdient in L.A. Auch am Samstag beim Spiel gegen Toronto tragen viele Fans noch Trikots des Engländers. Im öffentlichen Bewusstsein der US-Sportszene hat die Episode Beckham die MLS allerdings kaum vorangebracht. Die Zuschauerzahlen in den Stadien sind seit Jahren fast gleich, der Besucherschnitt in den Stadien liegt bei 19.000 Zuschauern pro Spiel und die Fernsehquoten sind ganz schwach: Beim Sportsender ESPN2 schalteten im Schnitt im Jahr 240.000 Zuschauer pro Spiel ein.

Aber die Menschen in den Stadien haben dafür ihren Spaß und mancher Altstar auch: Am Sonnabend ist das Robbie Keane, bald 35 Jahre alt. Ohne großen Aufwand gelingt dem Iren beim beim 4:0 von L.A. Galaxy gegen Toronto ein Hattrick. So was ist doch besser, als in der Premier League trotz großer Verdienste bei irgendeinem Klub auf der Ersatzbank sitzen zu müssen. Deshalb kommt ja der Gerrard bestimmt auch nach Los Angeles, wo es nicht nur am Nationalfeiertag der USA dann schöne Feuerwerke gibt beim Fußball, der in den USA immer noch eine ganz andere Veranstaltung ist als in Europa.

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