Sport : Stevens bleibt

Der Trainer darf weiter bei Hertha BSC arbeiten, muss aber nach einer Niederlage im nächsten Spiel gehen

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt

Von Stefan Hermanns und

Michael Rosentritt

Berlin. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates räumte seinen Platz: Rupert Scholz rückte zur Seite, und so kam es, dass Huub Stevens von Scholz und Dieter Hoeneß in die Mitte genommen wurde. Es wirkte fast so, als wollten die beiden wichtigen Männer des Vereins den Trainer gegen Angriffe von allen Seiten beschützen. Das große Stühlerücken bei Hertha BSC war damit beendet. Huub Stevens, der umstrittene Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten, behält seinen Job. Die Entscheidung kam etwas überraschend.

Es war schon dunkel, als auf dem Berliner Olympiagelände am Montagabend ein langes und „bewegtes Wochenende“ (Hoeneß) zu Ende ging. Herthas Manager hatte seit der 1:4-Niederlage gegen Bayer Leverkusen am Samstag etliche Gespräche geführt: mit Mitgliedern des Präsidium, des Aufsichtsrates, des Beteiligungsausschusses, mit Spielern und mit Huub Stevens. Um kurz nach halb sieben verkündete er gestern das Ergebnis: „Wir sind einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass wir mit Huub Stevens weiterarbeiten. Mit dem Trainer haben wir uns darauf verständigt, dass sein Verbleib von zwei Erfolgen in den nächsten beiden Spielen abhängt.“ Das heißt: Sollte Stevens mit Hertha am Samstag in der Bundesliga bei Hansa Rostock nicht gewinnen, sitzt er drei Tage später, beim Pokalspiel gegen denselben Gegner, schon nicht mehr auf der Bank. Aber auch dieses Spiel muss er dann gewinnen. „Es geht nur um Siege“, sagte Hoeneß. „Wir sind in einer Situation, in der wir nicht mehr lange warten können.“

Herthas Manager legte Wert darauf, dass es sich nicht um ein Ultimatum an den Trainer handle: „Das ist keine Forderung, sondern eine Vereinbarung, weil Huub Stevens derselben Überzeugung ist.“ Rupert Scholz behauptete gar, dass die Vereinbarung „ganz entscheidend auf ihn, Stevens, zurückgeht“, während Hoeneß sagte: „Das war meine Idee. Ich habe auch andere Optionen durchgespielt.“ Dann aber habe er Stevens gefragt, „und er war sofort dabei“. Stevens berichtete, er habe zunächst hören wollen, „ob die Spieler auch damit einverstanden sind. Ich kann es nicht allein schaffen.“ Bereits am Sonntagabend hatte Hoeneß „ein einstimmiges Bekenntnis des Spielerrates zu dieser Entscheidung“ eingeholt.

Für Teile der Mannschaft kam der Entschluss trotzdem überraschend. Ein Spieler sagte vor dem Training: „Wir wissen auch noch nichts. Ich gehe davon aus, dass uns heute ein neuer Trainer vorgestellt wird.“ Stevens war wie immer am frühen Morgen an seinem Arbeitsplatz erschienen, doch am Vormittag wurde die routinemäßige Pressekonferenz mit ihm abgesagt. Es war der Anfang einer großen Geheimniskrämerei.

Der Verein hatte das Trainingsgelände am Olympiastadion bis zum Nachmittag für die Öffentlichkeit abgeriegelt. Vor der Schranke lauerten Fans, Journalisten und Fernsehteams; stündlich wurden es mehr. Um kurz vor vier stand Stevens auf dem Trainingsplatz, als sei in der vorigen Woche nichts passiert. Während die Spieler, die am Samstag gegen Leverkusen von Anfang an gespielt hatten, zum Dauerlauf an den Teufelsberg fuhren, ließ sich Stevens – unbehelligt und unbemerkt von den Fernsehkameras und den wartenden Journalisten – mit dem Auto der beiden Torwarttrainer zum Trainingsplatz bringen. Dort leitete er die Übungseinheit der elf Ersatzspieler.

Rupert Scholz kündigte am Abend an: „Wir kommen wieder nach oben. Jetzt werden endlich Spiele gewonnen.“ Mit dem Fall, dass dies nicht passiert und Stevens am Samstag oder nächsten Dienstag seinen Job verliert, wollen sich die Verantwortlichen öffentlich nicht beschäftigen. „Meine Kraft gilt Huub Stevens“, sagte Hoeneß. Allerdings sei es auch klar, „dass wir unsere Hausaufgaben machen: Falls es mit Stevens nicht gut geht, müssen wir vorbereitet sein.“

Der Einstimmigkeit im Verein stand zuletzt der Eindruck entgegen, dass Stevens der Öffentlichkeit nur noch schwer zu vermitteln ist. „Das Echo wird geteilt sein“, sagte Dieter Hoeneß. Es gebe eine schweigende Mehrheit und auch nicht wenige zustimmende Zuschriften. „Aber die anderen werden natürlich lauter sein.“

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