Stevens vs. Müntefering : Der Lebenslauf ist rund

Vorbild Müntefering: Huub Stevens verlässt den HSV, weil er näher bei seiner kranken Frau sein will - und mit dem PSV Eindhoven seine Biographie abrunden kann. Friedhard Teuffel erklärt, was die beiden unterscheidet.

Friedhard Teuffel
Stevens Münte Foto: ddp
Geben ihren Arbeitsplatz für die kranke Frau auf: Huub Stevens und Franz Müntefering. -Foto: ddp

Könnte Franz Müntefering auf einmal zum Vorbild für Fußballtrainer geworden sein? Jetzt hat sich auch Huub Stevens entschieden, seinen Arbeitsplatz zu verlassen, um näher bei seiner schwer kranken Frau zu sein. Ausgerechnet der Trainer, der scheinbar jede schwierige Frage mit „so ist Fußball“ beantwortet, trifft einen Entschluss, der mit Fußball allein nicht zu erklären ist.

Doch Stevens und Müntefering, Fußball und Politik, da gibt es ein paar Unterschiede. Zum einen ist es nicht die erste Entscheidung, die Stevens aus Rücksicht auf seine kranke Frau getroffen hat. Schon vor zwei Jahren beschloss er, nicht mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga aufzusteigen und stattdessen mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Diesmal nun gibt er zum Saisonende nicht nur einen Job auf, er tauscht ihn ein: gegen eine Aufgabe, die seine Trainerbiografie abrunden könnte. Denn mit dem PSV Eindhoven hatte er noch eine Rechnung offen. 18 Jahre war er dort Spieler und Jugendtrainer – einen Vertrag als Cheftrainer erhielt er bislang jedoch nicht, obwohl er ihn sich so sehr gewünscht hatte.

Jetzt kann er sich diesen Wunsch erfüllen und gleichzeitig seiner Frau helfen, die in Eindhoven in Behandlung ist. Was ihm von beidem wichtiger war, spielt eigentlich keine Rolle. Jedenfalls hat Stevens die glückliche Gelegenheit ergriffen, Privates und Berufliches miteinander zu verbinden. Das wäre etwa so, als wenn Franz Müntefering die deutsche Sozialpolitik vom Kurort seiner Frau aus mitlenken könnte. Kann er aber nicht. Die Politik fordert im Gegensatz zum Fußball den ganzen Mann.

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