Sport : Stiefel für vierzehnfünfzig

Matthias B. Krause über die selbstlose Tat des Stephon Marbury

Matthias B. Krause

Stephon Marbury ist einer der letzten Spieler in der National Basketball Association (NBA), von dem man eine gute, selbstlose Tat erwarten würde. Jedenfalls, wenn man nach dem Image geht, dass er sich geschaffen hat. Der Aufbauspieler der New York Knicks pflegt seine Herkunft aus einem der Schwarzen-Ghettos in der Stadt wie andere ihre Orden an der Brust: Er trägt sie blankgeputzt vor sich her. Trainer Larry Brown bescherte er vergangene Saison mit seinen Allüren Magengeschwüre, einen Krankenhausaufenthalt und die vorzeitige Vertragsauflösung. Nur etwas Großes gewonnen, das hat Marbury bis heute nicht.

Ausgerechnet er also tut sich seit ein paar Wochen als Wohltäter hervor. Gemeinsam mit der amerikanischen Billigkette „Steve & Barry’s“ hat er einen Basketballstiefel auf den Markt gebracht, der alle Rekorde bricht – mit seinem Dumpingpreis. Für nur 14 Dollar und 48 Cents erhält der Käufer einen Sportschuh, von dem der Hersteller behauptet, er funktioniere ebenso gut wie die drei- bis zehnmal so teuren Treter der etablierten Konkurrenzfirmen. Wichtiger noch: Er ist ebenso elegant und modern designt. Dadurch, so Marbury, solle verhindert werden, dass jemals wieder ein Jugendlicher einen anderen nur wegen Turnschuhen niedersticht oder über den Haufen schießt. Szenen, die sich in den härtesten Gegenden der amerikanischen Großstädte abspielen, seit Michael Jordan und Nike seine Kultschuhe für 150 Dollar und mehr auf den Markt brachte.

Als vor ein paar Wochen die Kids in Chicago eine Schlange bildeten, die gleich mehrere Block umfasste, nur um die Sneakers zu kaufen und Marbury zu sehen, wusste der, dass er etwas richtig gemacht hatte. Mit Tränen in den Augen sah sich der sonst so unerbittliche Marbury das Schauspiel an. Bei den „Starbury One“ hat er auf die sonst üblichen Millionen für einen Schuhvertrag verzichtet, gleichwohl bekommt er wenigstens einen kleinen Prozentsatz des Verkaufserlöses. Andere wie etwa Clevelands frisch aus der Highschool in der NBA gelandetes Wunderkind LeBron James kassieren für solch einen Deal nicht weniger als 90 Millionen Dollar in zehn Jahren. Der Sportartikelhersteller Nike zahlt’s und legt es auf den Konsumenten um. Für James Treter „Zoom LeBron III“ müssen die Kids 125 Dollar auf den Tisch blättern.

Die Idee der Billigschuhe ist nicht komplett neu. Brett Favre etwa, der legendäre Quarterback der Green Bay Packers, gibt seinen Namen und sein Gesicht für einen Billigschuh der Supermarktkette Wal-Mart her. Doch die behauptete bislang nie, ihr Produkt sei ebenso gut wie das zehnmal so teure der Konkurrenz. Für „Steve & Barry’s“ scheint die Rechnung aufzugehen, in den vergangenen drei Monaten verkaufte die Kette mehr „Starbury One“, als sie das komplette Jahr davor mit Sportschuhen umsetzte. Für Marbury natürlich auch, hat er doch endlich einen Weg gefunden, sein zweifelhaftes Image aufzupolieren. Auf dem Feld gelingt ihm das auch in dieser Saison nicht, die Knicks sind wieder herzerweichend schlecht. Allen voran Marbury, der für seine Fehlleistungen gerne alle möglichen Ausreden findet. Nur eine hat er bislang noch nicht benutzt: Dass nämliche seine Billigschuhe, die er, wie vertraglich versprochen, in jedem Spiel trägt, schuld daran sind, dass er den Korb nicht trifft. Immerhin.

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten und Sebastian Moll regelmäßig Phänomene aus dem amerikanischen Sport.

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