• STIL Offensive: Cashmere statt Ballonseide Verena Friederike Hasel entdeckt den Gentleman am Spielfeldrand

STIL Offensive : Cashmere statt Ballonseide Verena Friederike Hasel entdeckt den Gentleman am Spielfeldrand

Ehre, wem Ehre gebührt. Da hat der französische Nationaltrainer Raymond Domenech (s. Bild) doch kürzlich bei der EM gleich drei Accessoires in unmittelbarer Gesichtsnähe untergebracht, die der arrivierte Trainer von heute braucht – weißes oder zumindest angegrautes Haar, eine Brille sowie eine Krawatte. Vorbei die Zeiten, in denen sich einer mit Schiebermütze wie seinerzeit Helmut Schön auf den Platz trauen würde. Schöns Spitzname („der Mann mit der Mütze“) würde auch nicht mehr viel reißen, heute stellt man sich wie José Mourinho bei seiner Ankunft in London gleich lieber selbst als „special one“ vor. Auch macht man keine Runde-Bälle-Sprüche im Stil von Sepp Herberger mehr, sondern gibt Distinguiertheiten von sich: Ottmar Hitzfeld trinkt laut eigenem Bekunden nach Champions-League-Spielen gern noch ein gutes Glas Wein mit Sir Alex Ferguson. Zeitgleich packt Felix Magath in irgendeinem Hotelzimmer wahrscheinlich gerade sein Steckschachbrett aus (Zitat Magath: „Schach ist für mich neben Fußball der schönste Sport“), um ein bisschen runterzukommen nach dem Match. Dabei ist er in seinen Cashmereschal gewickelt, als könne allein durch die Bewegung des Turms auf dem Brett ein schier unerträglicher Luftzug entstehen.

Früher habe ich solche Schals nur an Dirigenten gesehen. Vor ein paar Tagen dachte ich dann, Sergiu Celibidache, bis zu seinem Tod Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, sei im Stadion wiederauferstanden. Da dirigierte jemand am Spielfeldrand so feurig, dass seine schlohweißen Haarstrippen ganz außer Rand und Band gerieten. Tatsächlich war es Leo Beenhakker, der mit den polnischen Spielern auf der Ersatzbank sprach. Wichtige Information, die der Fußballkommentator über Beenhakker preisgab: Er beherrscht sieben Sprachen. Ich vermute, Altgriechisch ist eine davon und Beenhakker übermittelt Botschaften an die Mannschaft grundsätzlich in Hexametern, ein Versmaß, das schon Homer gute Dienste leistete. Roberto Donadoni, der italienische Nationaltrainer, ist noch einer von diesen Gentleman-Trainern, seine Krawatte bindet er wahrscheinlich schnell mal zwischen zwei Ballkontakten, und selbst dem desaströsen Spiel gegen die Niederlande gewann er zumindest eine optische Freude ab: Die holländischen Fans alle ganz in Orange, sagte er, das sei ein wunderschöner Anblick.

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