• STIL Offensive: Die sichere Verbürzelung Portugals Esther Kogelboom gratuliert Ronaldo zu seinen Nackensträhnen

STIL Offensive : Die sichere Verbürzelung Portugals Esther Kogelboom gratuliert Ronaldo zu seinen Nackensträhnen



Das Fitnessprogramm muss unter der Dusche fortgesetzt werden.“ Roger

Spry

Und das sagt Philipp Köster dazu: Vorbei die Zeiten, als Nationalspieler bei großen Turnieren direkt nach der morgendlichen Trainingseinheit den Golfsack schultern und den ganzen Nachmittag über an der Verbesserung des Handicaps arbeiten konnten. Heutzutage dürfen die Fußballer nicht einmal unter der Dusche entspannen, sondern müssen stets und ständig auf die Fitness achten. Roger Spry, verantwortlich für die Physis der österreichischen Equipe, hat jedem Spieler vor dem Turnier eine selbstgebrannte DVD überreicht, für das Training daheim im Wohnzimmer. Bleibt nur die Frage, welche Übungen wohl für das Duschquadrat im Hotelzimmer geeignet sind. Klimmzüge an den Armaturen. Dehnungen am Überlauf? Wir plädieren für Ausdauerläufe. Immer um den Duschkopf herum.

Mit der Fußballer-Frisurenmode ist es so ähnlich wie mit der „normalen“ Mode: Es war im Prinzip alles schon mal da. Lange Haare, kurze Haare, Glatzen, Fransen, Locken, Asymmetrie, Irokesen, Schnauzer, Voll-, Dreitagebart. Und wenn alles schon da war, kann man nichts mehr neu erfinden, sondern nur noch zitieren: das beste aus den 60ern, 70ern, 80ern; inzwischen sogar aus den 90ern.

Ronaldos neuer Schnitt ist ein geniales Musterbeispiel für ungenierte Bricolage, ein Formatradio-Programm aus Haaren.

Von vorn aus betrachtet handelt es sich nämlich um eine fast schon enttäuschende 08/15-Herrenfrisur, wie sie gerade Common Sense ist. Kurz eben, aber nicht zu kurz. Den Clou offenbart sie erst im Profil: Die im Verhältnis etwas länger gewachsenen Nackenhaare wölben sich – wie fein über die Rundbürste gezogen – nach innen. Und erst von hinten zeigt sich die komplette Bürzelhaftigkeit von Ronaldos neuer Frisur.

Wo also hat man das schon gesehen? Ein bisschen erinnern diese wie zufällig nachgewachsenen Nackenstähnen an den Style der Renee-Mädchen (nur Pony und Nackenhaare, dazwischen nichts oder wenig). Dann spielt noch das 80er-Jahre-Herrenzöpfchen mit rein (vgl. Pur-Sänger Hartmut Engler), wir erinnern uns mit Grausen, doch dafür ist das, was Ronaldo stehen lässt, noch nicht lang genug.

Da ja eine der wichtigsten Eigenschaften der Fußballerfrisur ein relativ leicht nachzustylendes Alleinstellungsmerkmal ist, kann man Ronaldo zu diesem klugen Schachzug nur gratulieren. Denn wenn er sich nicht allzu sehr daneben benimmt, werden schon bald alle portugiesischen Jungs den Ronaldo-Bürzel tragen – so wie 2002 der gemäßigte Beckham-Iro en Vogue war und 2006 das Frings-Haarband. Und mit der zunehmenden Verbürzelung Portugals wächst auch Ronaldos Popularität über Portugals Grenzen hinaus.

Jetzt muss Ronaldo so cool bleiben und darf bloß nicht den Camoranesi-Fehler machen. Der italienische Spieler schnitt sich nach dem Finalspiel der WM 2006 noch auf dem Rasen seinen langen, dunkelbraunen Zopf ab. Inzwischen sind die Haare wieder auf Kinnlänge nachgewachsen – aber ein Alleinstellungsmerkmal ist das nicht.

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