Sport : Stille Reserve

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Von Daniel Pontzen

München. Thorsten Fink und Michael Tarnat duften am Mittwochvormittag eine halbe Stunde früher gehen. Nach dem Training war Fototermin an der Säbener Straße für den neuen Fan-Katalog, und einige der Besserverdienenden des FC Bayern München mussten sich mal wieder als Teilzeit-Models zur Verfügung stellen. Bei solchen Terminen sind immer besonders die gefragt, die zur Hochglanzriege des Rekordmeisters zählen, und obwohl ein Teil von ihnen noch im Urlaub ist, fanden sich mit Mehmet Scholl und Giovane Elber einige, deren Verehrungsgrad den Marketing-Strategen gefallen wird.

Thorsten Fink und Michael Tarnat zählen nicht unbedingt dazu. Sie stehen für den Teil des FC Bayern München, der im Schatten der Stars unauffällig die Arbeit verrichtet, die stille Reserve, die sich Jahr für Jahr mit demselben Problem herumschlagen muss: schon wieder setzt ihnen die Vereinsführung neue Stars auf den umzäunten Trainingsplatz. Doch bisher haben gerade die ruhigen Vertreter immer wieder ihre Rolle im Team gefunden. Und es spricht einiges dafür, dass dies auch im Jahr eins der Deisler-Ballack-Zé-Roberto-Bayern so bleiben wird.

„Das ist doch jetzt schon seit fünf Jahren so“, sagt Thorsten Fink, wenn er gefragt wird, ob denn in der aufgerüsteten Münchner Belegschaft überhaupt noch Verwendung für seine Dienste bestehe. Er spielt kein Selbstbewusstsein, er sagt es in einer Lockerheit, die echt ist. „Es wird so sein wie immer: Am Anfang werden alle auf die Neuen schauen. Und dann wird alles so sein wie immer.“

Immer, das heißt beim FC Bayern: mit Thorsten Fink. Knapp 30 Bundesliga-Einsätze spulte der Westfale durchschnittlich seit seinem Wechsel nach München 1997 ab, und trotz eher sparsam gesetzter Glanzmomente haftete dem Ganzen zumeist große Zuverlässigkeit an. Im letzten Jahr stieg er, eher unvorhergesehen, gar zum Führungsspieler auf, als er in der Effenberg-losen Zeit gemeinsam mit Owen Hargreaves das Spiel der Bayern lenkte. Mit neun Siegen in Serie sollte dies die erfolgreichste Phase der Spielzeit sein. Als damals, im Spätherbst des vergangenen Jahres, die deutsche Nationalmannnschaft auf ihrem Weg zur Weltmeisterschaft ins Straucheln geriet, war der so auffällig unauffällige Fink sogar ein Kandidat für die Play-off-Spiele gegen die Ukraine. „Ich weiß, was ich kann“, sagt Fink, und es klingt, als wüsste er ebenfalls, dass seine Fähigkeiten auch im kommenden Jahr zu den hochgehandelten Qualitäten beim FC Bayern München zählen werden: „Ich bin Mannschaftsspieler“. Ein Typus, der auf der Niveaustufe der Spitzenmannschaften rar gesät ist. Und der nicht erst seit dem Hype um Dietmar Hamann bei der WM an Wertschätzung gewinnt.

Michael Tarnat, seit einigen Jahren ebenfalls einer derer, die in Länderspielwochen aus Mangel an Kollegen meist nicht mal ein Spielchen „Fünf gegen zwei“ im Bayerntraining auf die Beine stellen, hat sich ebenfalls mit seiner Situation arrangiert. „Ein Wechsel war vor zwei Jahren ein Thema, in diesem Sommer sicher nicht.“ Er ist optimistisch, mehr als die zehn Einsätze des Vorjahres zu verbuchen, nicht bloß, weil der Brasilianer Zé Roberto „und die anderen Neuzugänge ohnehin nicht auf meiner Position spielen". Vermutlich schöpft er seine Zuversicht auch aus der Gewissheit, nicht zu denen zu zählen, die beim FC Bayern bloß noch geduldet werden. Kaum eine Chance haben Hoeneß & Co. in den letzten Monaten verstreichen lassen, die nicht mehr erwünschten Dienste Carsten Janckers und Ciriaco Sforzas feilzubieten – Michael Tarnat und Thorsten Fink wurden nicht auf die Verkaufsliste gesetzt.

Es ist eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit, sich mit der Rolle im zweiten Glied anzufreunden. Pablo Thiam etwa, fußballerisch und altersmäßig bestens zur mittelfristigen Fink-Nachfolge geeignet, bereitet dies offensichtlich mehr Mühe. „Ich will hier eine anständige Rolle, für Platz 19 und 20 bin ich mir zu schade“, war einer der Sätze, die den 28-Jährigen nach Saisonende 10 000 Euro Strafe kosteten.

Vermutlich wird die Sparte „Highlights“ auch im neuen „Superkader“, wie Hoeneß sagt, nicht in den Zuständigkeitsbereich der Finks & Tarnats fallen. Doch das Ziel eint. „Wir wollen Titel“, sagen die beiden unisono. Auch ein Weg, den Souvenir-Verkauf anzukurbeln.

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