Sport : Stiller Genießer

Peter Saubers Formel-1-Stall düpiert die Werkteams

Karin Sturm[Montreal]

Sie stehen selten im Rampenlicht und scheinen manchmal gar nicht in die Glitzer- und Glamourwelt der Formel 1 zu passen. Die Mechaniker und Ingenieure des Formel-1-Teams des Schweizers Peter Sauber genießen auch auf dem Rennkurs von Montreal ihren Status der Unauffälligen. Sauber genügt es, dass er Erfolg hat. Vor dem Großen Preis von Kanada hat sein Team schon zehn WM-Punkte – mehr als McLaren-Mercedes und Toyota zusammen. Und dabei haben diese Teams ein viel höheres Budget als der Privatier Sauber, der pro Jahr rund 120 Millionen Euro in sein Formel-1-Unternehmen pumpt.

Solide Arbeit, Zuverlässigkeit und vernünftige Investitionen zeichnen das Schweizer Team aus. Natürlich hilft auch die enge Zusammenarbeit mit Ferrari. Schließlich erhalten die Eidgenossen inzwischen nicht nur den Motor vergleichsweise günstig aus Maranello, sondern noch weit mehr technische Unterstützung. Die ganze Getriebe- und Hinterachseinheit des Sauber C23 entspricht praktisch der von Ferrari. Dafür muss Sauber hinnehmen, dass Ferrari bei der Personalpolitik mitmischt. Felipe Massa, der von Sauber zu Ferrari gewechselt war und dort ein Jahr lang als Testfahrer fungierte, wurde von den Italienern nachhaltig wieder bei Sauber untergebracht. Dessen Teamchef stört es nicht. „Massa ist viel besser als 2002, als er zum ersten mal für uns fuhr. Er arbeitet viel besser mit den Technikern und macht weniger Fehler," sagt Sauber.

Vor allem aber zahlt sich jetzt der neue, hochmoderne Windkanal aus, den Sauber hatte bauen lassen. Seit Imola verbessert sich Sauber kontinuierlich. Die Bridgestone-Reifen, die in diesem Jahr sehr gut laufen, spielen da auch eine Rolle. Allerdings kommen sie meist nur im Rennen gut zur Geltung, aber nicht im Qualifying, weil sie nicht sofort auf die optimale Temperatur kommen. Und Sauber-Pilot Giancarlo Fisichella, seit dieser Saison bei Sauber, fährt nach Anfangsproblemen auch gut. Auf dem Nürburgring kämpfte er sich nach seinem Motorschaden vom letzten auf den sechsten Platz. Und in Kanada erwartet er einiges. „Schließlich ist Montreal meine Lieblingsstrecke.“ Viermal in Folge, von 1997 bis 2000, stand er in Kanada auf dem Podium.

Fisichellas Chef möchte aber auch noch aus einem ganz besonderen Grund Punkte. Peter Sauber will so lange wie möglich in der Konstrukteurs-WM vor McLaren-Mercedes bleiben. Da spielen noch Dinge aus der Vergangenheit eine Rolle. 1994 stieg Mercedes als Motorlieferant bei Sauber aus und belieferte stattdessen McLaren. Der Schweizer Teamchef ist darüber immer noch wütend, auch wenn er das nicht offen zugibt. Er sagt stattdessen: „Ich weiß nicht, ob man uns und McLaren-Mercedes vergleichen darf. Eigentlich müsste McLaren-Mercedes sehr bald wieder an uns vorbeiziehen.“ Aber dann muss er doch schmunzeln: „Es macht natürlich Spaß, wenn man so gut wie McLaren-Mercedes ist. Und es ist schön, dieses Team auf Abstand zu halten.“

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