Stiloffensive (2) : Abendkleid in Landesfarben

An dieser Stelle schreibt Verena Friederike Hasel im Wechsel mit Esther Kogelboom über die modischen Verirrungen bei der EM. Heute zweifelt sie an Miss EM Dominica Huzvaroza.

Verena Friederike Hasel

Dass man sich wohl fühlt im Abendkleid wie in Jeans, scheint gemeinhin als Symbol für einen erstrebenswerten menschlichen Zustand zu gelten. Zumindest beschreiben Partnerschaftsannoncen die Frauen, die sie bewerben, häufig so – „elegant und mädchenhaft zugleich“ sei die Betreffende, heißt es da, außerdem habe sie „Lust auf Weekends in New York genau wie auf Natur“, wobei das Wort Natur meist in Großbuchstaben gesetzt ist, damit dem Leser das Erstaunen ob solcher Vielseitigkeit gleich entgegenschreit. Die gerade gekürte Miss EM, Dominica Huzvaroza aus Tschechien, musste vor ihrer Wahl ähnliche Universaltauglichkeit beweisen, sie präsentierte sich der Jury (darunter Kenner wie Guido Buchwald, Fußball-Weltmeister von 1990) gleich zweimal in Landesfarben: im roten Fußballtrikot und im roten Abendkleid.

Wie stellten sich dagegen die Schweizer Alphornbläser an, sie wollten partout in ihrer Tracht, bloß nicht in Fußballkleidung bei der Eröffnungsfeier auftreten. Dominica dagegen nimmt alles mit, Galaempfang, Aufwärmtraining, toll sowas. Vor allem weil man aus dem echten Leben eher Variationen des JAD kennt. JAD steht für das Jennifer-Angelina-Dilemma, seinerzeit medienwirksam vorgeführt von Brad Pitt: Entweder man wählt wild oder gediegen, zwischen Rausch und ruhigem Schlaf gibt es nichts. Dass die Miss EM nun aber beim Fotoshooting alternierend mit Roberto Blanco und einer menschengroßen Maus posierte, machte Mut. 

Doch ist Dominica zu trauen? Die Miss WM 2006, Edwige Madze Badakcu, hatte wenigstens noch behauptet, sie gehe regelmäßig mit ihren Freundinnen kicken. Dominica, 22, sagte nichts in der Richtung, dafür aber diesen einen Satz: „Fußball ist ein sehr spannender und abwechslungsreicher Sport.“ Das hat in etwa die gleiche Komplimentgüte wie: „Du bist ein sehr gutartiger und freundlicher Moppel“ (zu einem Mann gesagt) oder: „Du hast einen interessanten und übermäßig ausgeprägten Currygeschmack (in dem hypothetischen Fall, dass es zu einem solchen Gespräch kommt, zu einer Mahlzeit gesagt). Auch Dominicas Argument für die tschechische Mannschaft zeigte eine gewisse Begeisterungsarmut: „Tschechische Männer sind auch in kurzen Hosen schön anzusehen“, sagte sie. Wenigstens hat dieser Satz Partnersuch-Qualitäten: „Ich sehe gut aus, im Smoking wie in kurzer Freizeithose.“

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Europameisterin. Dominica ist die Schönste.Foto: dpa

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