Sport : Stimmen im Wind

Dirk Becker

Der Wind. Der Wind war gerade ein Problem für die Forstarbeiter in den Wäldern. Er jagte in Böen durch die Bäume. Er jagte auch in Böen um die Zentrale des 1. FC Köln. Das Vereinsgelände des Fußball-Bundesligisten liegt schließlich quasi im Wald. Drinnen, im Klubzentrum, hätten sie viel darum gegeben, wenn der Wind gerade ihr größtes Problem darstellte. Aber sie haben ganz andere Sorgen. Dem Klub droht der Abstieg, Trainer Ewald Lienen wurde gerade entlassen, und die Fans brüllen sich ihren Zorn aus dem Leib. Zum Schluss zielten sie damit auch auf Lienen. Jenen Lienen, der vor jedem Spiel mit einem Schal um den Hals in die Fankurve der Kölner lief, ein paar Hände abklatschte und sich in erster Linie den FC-Anhängern verantwortlich fühlte.

Aber viele dieser Fans sagen jetzt, dass sie froh sind, Lienens "widersprüchliches Gelaber" nicht mehr hören zu müssen. Jetzt hören sie, was Christoph John verkündet. John ist erst mal, für zwei Spiele, neuer Kölner Trainer. John betreute zuletzt erfolgreich die U 23 des 1. FC Köln in der Oberliga Nordrhein. Heute ist sein erster Einsatz, wenn der 1. FC Köln im DFB-Pokal gegen Hertha BSC antritt (19 Uhr, Olympiastadion).

John verkündet: "Natürlich kenne ich Berlin. Ich bin ja auch als Oberliga-Trainer nicht blind durch die Fußball-Prärie gelaufen. Aber ich konzentriere mich zunächst nur auf meine Mannschaft. Ich will ihr ein Konzept verpassen, mit dem sie sicher in der Abwehr steht und vielleicht auch besser nach vorne spielen kann." Im Konzept ist auf jeden Fall Mittelfeldspieler und Publikumsliebling Dirk Lottner vorgesehen. Lienen hatte ihn noch zeitweise auf die Bank gesetzt. Aber John sagt auch: "Es ist noch kein neuer Trainer hier, so lange werde ich die Aufgabe erfüllen."

Und wer wird neuer Trainer? Frank Pagelsdorf ist im Gespräch, der frühere HSV-Coach. Aber der ist wohl zu teuer. Friedhelm Funkel ist natürlich auch im Gespräch. Der ist billiger, wohnt nur 50 Kilometer von Köln entfernt und sagt, der Job würde ihn reizen.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Albert Caspers, der Präsident des 1. FC Köln, hat ganz sicher Hannes Löhr angesprochen. Löhr ist ein Kölner Urgestein, er steht für die glorreichen Zeiten des Klubs. Torschützenkönig von 1968 mit 166 Treffern, 381 Einsätze für Köln. Löhr hat schon Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert. Der 59-Jährige scheidet demnächst beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als U-21-Trainer aus. Für ihn wäre ein Job beim FC eine Frage der Ehre. "Es darf viel passieren, aber nicht, dass der FC absteigt", hat Löhr dem Sportinformationsdienst (sid) gesagt. "Ich fände es gut, wenn auch die alten FC-Größen Wolfgang Overath und Karl-Heinz Thielen in die Aufgaben eingebunden würden."

Andere denken da pragmatischer. "Aus finanzieller Sicht ist ein Pokalsieg eminent wichtig", sagt Kölns Manager Hannes Linßen, der als Mitverantwortlicher der verfehlten Einkaufspolitik eigene Konsequenzen bis dato ausschloss. Denn ein Abstieg, da sind sich alle Beobachter und Experten einig, "wäre in wirtschaftlicher Hinsicht eine absolute Katastrophe."

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