STIMMEN zum Turnier : So sah die Welt die WM in Deutschland

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Das Deutschlandbild. Die Hochschule Fulda fragte zum Anfang und zumEnde der WM jeweils Fans aus dem Ausland, wie sie die Deutschen...

Die „

Times“ hatte die WM gewohnt kühl analysiert – aber am Ende Gefühle gezeigt:

„Alles in allem sind die Deutschen nicht so schlecht. Ihre Fußballer waren unterhaltsam, ihre Fans haben Party gemacht. Fantastisch.“

Die Kollegen vom „Daily Telegraph“ dagegen hatten Bauchschmerzen, zeigten aber dann doch gewisse Sympathien:

„Auch wenn das Finale im Olympiastadion von Adolf Hitler stattfand: Für die jungen Berliner ist dieses Land ihr Land – und nicht das Eigentum von dunklen Schatten, die vor sieben Jahrzehnten auf der Ehrentribüne saßen.“

Ungewohnt unverspielt kam die spanische „El País“ schnell auf den Punkt:

„Es war die beste WM mit dem schlechtesten Fußball. Deutschland war diesmal weder arrogant noch verbittert.“

Die argentinische „Clarín“ fand auch nicht so richtig viel zu meckern:

„Die Stadien waren perfekt, immer voll, es gab keine größeren Skandale, nicht einen Schatten von Terrorismus und viele Straßenfeiern.“

Und die „Hoy“ aus Ecuador packte beim Abschied gar ein bisschen Wehmut:

„Wir reisen ab, und alle Vorurteile wie die von der Kälte der Deutschen sind widerlegt.“

Selbst die „Volkskrant“ aus den Niederlanden konnte sich nicht mal derb über den Nachbarn lustig machen:

„Die Deutschen hatten Recht. Die Welt war zu Gast bei Freunden.“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ aus der Schweiz hingegen atmete einmal kräftig durch:

„Der für die empfindsameren Besucher oft gar kraftmeierische und bierselig laute Pop- oder Party-Patriotismus blieb allermeist natürlich. Das Flagge-Zeigen war mehr belustigend denn übertrieben nationalistisch.“

Die „Kronenzeitung“ aus Österreich war überarbeitet und schickte das Nachbarland gleich mit in den Urlaub:

„Die Welt hat eine Pause nötig. Dringend. Und Deutschland auch. Das Land kann wieder das werden, was es vor dieser WM gewesen ist. Die Deutschen werden sich statt vor den gigantischen Videowalls der Fan-Meilen wieder auf den Autobahnen stauen. Sie werden den gigantischen Umsatz der WM vergessen und wieder über den Anstieg der Mehrwertsteuer klagen.“

Der „Standard“ aus Österreich fand schöne Worte für die Polizei:

„Deutschland 2006 kann ein Lehrbeispiel werden, wie von den Ordnungshütern mit Emotionen umgegangen werden soll.“

Die französischen Kollegen der „Libération“ hatten den Deutschen nach fünf WM-Wochen noch immer nicht richtig verstanden:

„Der Deutsche ist immer da, wo man ihn nicht erwartet. Horden von Neonazis hatte man uns in Aussicht gestellt, blutdürstige Hooligans und zusammengeschlagene Schwarze an jeder Straßenecke. Nichts von alledem. Wir müssen gestehen, wir sind schon mit einigen Vorurteilen über den Deutschen angereist, diesen seltsamen Zweifüßler, der am Zebrastreifen wartet, bis die Ampel auf grün schaltet.“

Die „Mlada fronta Dnes“ aus Tschechien machte sich ob der tollen Stimmung schon Sorgen um die Fußball-WM 2010:

„Nach Deutschland, das eine hervorragende WM organisierte, ist der nächste Veranstalter Südafrika eine mehr als unsichere Wahl.“

Die „Iswestija“ aus Russland hingegen hatte ganz große Geschichte miterlebt, die nur vergleichbar war mit dem Mauerfall 1989:

„Die Weltmeisterschaft war seit 16 Jahren der erste Ausbruch von Patriotismus in Deutschland. Den letzten hatte es zur Wiedervereinigung des Landes gegeben. In nur einem Monat hat Deutschland das Vorurteil widerlegt, dass seine Bewohner langweilig, verschlossen und wenig gastfreundlich sind.“

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