Stimmungsbericht : Bass und Spiele: Wie die Gastgeber Olympia feiern

Olympia in Vancouver präsentiert sich als Gegenentwurf zu den hochseriösen Spielen in Peking. Die lockere Atmosphäre mit viel Musik lässt Organisationsmängel in den Hintergrund treten.

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Foto: Reuters

Um neun Uhr morgens grüßt der Bass auf dem Village Square. Die Gruppe „House of Doc“ probt auf der Bühne für ihren Auftritt am Nachmittag. Auf der Videowand hinter dem Bassisten rutscht ein Skispringer über die Schanze, vor ihm gehen Menschen mit Kaffeebechern zur Arbeit oder stapfen mit Snowboard und Skiern in Richtung Talstation von Whistler Mountain. Der Bass begleitet jeden ihrer Schritte. Eigentlich ist dies kein Ort für Hubertus von Hohenlohe.

Der Prinz hat zwar ein Faible für die Musik, einst trällerte er sich mit der Single „Hollywood“ in den österreichischen Charts auf Nummer 28. Und auch für seinen Auftritt in der kommenden Woche in Whistler hat er schon eine Begleitmusik ausgewählt: Elton John, „I’m still standing“. „Das passt gut zu mir, fast jeder Satz“, sagt Hubertus von Hohenlohe. Er sitzt im Whistler Media Center, hat seinen aktuellen Fotoband mitgebracht und sagt: „Ich bin auch alt und stehe immer noch.“

Die zweite Strophe passt ebenfalls: Did you think this fool could never win, well look at me I am coming back again. Prinz Hubertus von Hohenlohe wird auch nichts mehr gewinnen, zumindest nicht im Skifahren, trotzdem ist er zurückgekommen. Er wird im Riesenslalom und Slalom antreten, zum fünften Mal für Mexiko, das Land, in dem der österreichische Kosmopolit geboren ist und dessen Staatsbürgerschaft er besitzt. Er will im Duell der Skiexoten den Schneeleoparden besiegen, und eigentlich ist er sicher, dass das klappen wird. Der Schneeleopard heißt Kwame Nkrumah-Acheampong, stammt aus Ghana und hat das Skifahren in einer Londoner Skihalle erlernt. „Das ist leicht, der ist chancenlos“, sagt der Prinz, „im Skifahren braucht man Erfahrung und das kann man in zwei Jahren nicht aufholen.“ Und Erfahrung hat Hubertus von Hohenlohe. Das erste Mal nahm er 1984 in Sarajevo an Winterspielen teil. Nun ist er mit 51 Jahren ältester Olympiateilnehmer und passt eigentlich gar nicht mehr zu den Spielen der Weltjugend – und zu Whistler.

In Whistler sollte man jung sein, wie jene amerikanischen Teenager, die mit nacktem Oberkörper durch die Fußgängerzone laufen und „Ju – ess – ej“ schreien. Oder der britische Taxifahrer, der zwei Wochen Urlaub machen wollte, und nun seit eineinhalb Jahren seiner Freundin in London erklärt, warum er noch länger in Whistler Snowboard fahren muss. Oder jener Held, der sich in der Joe’s Bar Schnaps in den Mund gießt und ihn mit einem Feuerzeug anzündet.

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Foto: dpa

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