Sport : Stimmungsvolle Illusion

Robert Ide

über den Umbau der Münchner Allianz-Arena Wer sich als Ehrengast in der Münchner Allianz-Arena ein Fußballspiel anschaut, darf sich als besonderer Mensch fühlen. Von der Tiefgarage gelangt er über separate Zugänge direkt auf die Ehrentribüne. Die Sitzplätze in unmittelbarer Nähe des Spielfelds sind groß und weich, weite Treppen laden zum Flanieren ein. Die Gefahr, mit proletarischen Fans in Kontakt zu geraten, ist gering. Das ist inzwischen in vielen deutschen Stadien so.

Die Münchner Arena ist ein Bau der modernen Fußball-Kultur, zur Eröffnung der Fußball-WM 2006 möchte sich hier ein elegantes Deutschland der Welt präsentieren. Dummerweise sah die Botschaft aus dem neuen Stadion bisher anders aus: Im Fernsehen wirkte es leer, selbst wenn es voll war. Die breiten Treppen zwischen den Vip-Sitzen auf der Haupttribüne und der Gegengeraden erweckten den Eindruck, viele Plätze seien unbesetzt. Nun sollen 700 zusätzliche Vip-Sitze eingebaut werden, um die Lücken zu schließen. Das ist eine konsequente Entscheidung.

Im Grunde machen sich die Stadionmanager mit den Umbau ehrlich. Die Vips bestimmen längst das Bild in vielen Stadien. Nicht nur in München werden unterschiedlich zahlungskräftige Zuschauer voneinander getrennt, nicht nur dort fühlen sich Fans an den Rand gedrängt. „Ihr seid nur zum Fressen hier“, schallte es zur Eröffnung der Allianz-Arena derb aus der Kurve in Richtung Ehrentribüne.

Die neuen Münchner Sitze sollen nun die Illusion eines stimmungsvollen Stadions aufrecht erhalten – wenigstens im Fernsehen. Was die Zuschauer zu Hause nicht sehen: 700 andere, weniger attraktive Plätze müssen in München künftig frei gehalten werden, weil die Arena nur für 66 000 Zuschauer zugelassen ist. Im Zweifel wird wohl manch proletarischer Fan draußen bleiben müssen.

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