Stimmungsvoller Sieg der Füchse : So wunderschön wie heute

Es kommt nicht oft vor, dass die Füchse Berlin in die Großarena am Ostbahnhof umziehen müssen. Bei dem Champions-League-Triumph über den FC Barcelona fühlten sich die Handballer dort aber beinahe wie zu Hause.

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Der Kreiskämpfer: Füchse-Spieler Evgeni Pevnov (gelbes Trikot) stopft den Ball ins Tor.
Der Kreiskämpfer: Füchse-Spieler Evgeni Pevnov (gelbes Trikot) stopft den Ball ins Tor.Foto: dpa

Berlin - Nichts gegen die Stimmung in der Max-Schmeling-Halle. Und so verloren die Spieler der Füchse Berlin vor der Champions-League-Begegnung mit dem FC Barcelona über ihre gewöhnliche Heimspielstätte kein schlechtes Wort. Warum auch? „Für uns macht es keinen Unterschied, ob wir vor 9000 oder vor 13 000 Zuschauern spielen“, sagte etwa Konstantin Igropulo. Doch dann geschah am Sonntag etwas Außergewöhnliches in der größeren und ausverkauften Arena am Ostbahnhof, in die der Handballverein an diesem Abend hatte umziehen müssen.

Irgendwann, es muss zu Beginn der zweiten Hälfte gewesen sein, hatte es die 13 333 Zuschauer allesamt von den Sitzen gerissen. Die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson war soeben durch Sven-Sören Christophersen zum ersten Mal in diesem Spiel in Führung gegangen. Und der plötzliche Siegeshunger der Berliner bahnte sich seinen Weg vom Hallenboden über die Bande hinweg, durch die erste Zuschauerreihe, die zweite und dritte, auf den Oberrang und bis unter das Dach. Mannschaft und Publikum gaben sich in diesem Moment ein selbstbewusstes Versprechen: Gemeinsam wollten sie diesen besten Handballklub der Welt nun verdammt noch mal schlagen.

Dabei wirkten die Füchse anfangs beeindruckter von ihrer modernen Aushilfskulisse und der neuen Einlaufzeremonie als die spanischen Weltmeister in den Reihen der Gäste. Es hatte fürchterlich geknallt und Funken geregnet, dann kamen die Berliner durch eine riesige Fuchsschnauze in den Shownebel gelaufen. „Für uns war es ja auch fast ein Auswärtsspiel“, sagte Manager Bob Hanning, „wir mussten die Arena erst erobern.“

Die mitreißenden Leistungen der deutschen Mannschaft jüngst bei der WM und nun der schillernde Name des Gegners hatten für ein volles Haus gesorgt und arenahohe Erwartungen geweckt. Doch daran sollten die Füchse nach der Pause dann wachsen. Um nur einen Spieler hervorzuheben: Evgeni Pevnov. An dem schweren Kreiskämpfer wurde gezerrt und gezogen, seine Wucht geblockt und eingeklemmt. Doch ab und zu drückte sich die Bud-Spencer-Statur vorbei an den Weltstars und stopfte den Ball irgendwie ins Tor. Die Halle brodelte. Und als Pevnov dann kurz vor Ende rüde zu Fall gebracht und von den Schiedsrichtern auf Offensivfoul entschieden wurde, begann sie zu kochen.

Die Akustik verewigte sich nun bei Angriffen der Spanier zu einem gellenden Pfiff, bei Treffern der Füchse zu einem tosenden Glücksschrei. Und als Torakrobat Silvio Heinevetter den letzten Wurf des Spiels parierte und der 31:30 (14:16)-Triumph feststand, schwappte von irgendwoher eine Melodie: So ein Tag, so wunderschön wie heute.

Hanning freute sich trotzdem bereits wieder auf das nächste Spiel in der Max-Schmeling-Halle, „meinem Kessel“. Man könne dort ja noch einen Oberrang draufsetzen, scherzte der Manager.

Und Konstantin Igropulo? Der wollte nach dem Spiel von keinem Unterschied, ob 9000 oder 13 000 Zuschauer, nichts mehr wissen. „Scheiße“, lachte der Russe und seine Augen funkelten: „Es ist ein Unterschied!“ Benjamin Apitius

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