Sport : Stinkefinger für den Stinkefinger

Wie Effenberg nach der WM 94 in Schalke empfangen wurde

Holger Gehrke

Wenn ich an Stefan Effenberg denke, fällt mir ein Spiel ein, bei dem ich nur auf der Bank saß. Das war vor acht Jahren, der erste Spieltag nach der Weltmeisterschaft in den USA, bei der Stefan ja seinen großen Auftritt mit dem Mittelfinger hatte. Wir haben mit Schalke gegen Gladbach gespielt. 68 000 Zuschauer im Parkstadion, und der harte Kern hatte sich für Effenberg eine kleine Überraschung ausgedacht. Die hatten riesige Stinkefinger auf Papptafeln geklebt, das war schon beeindruckend. Auf der Bank hatte ich alle Zeit der Welt, um mir das ganze Theater anzuschauen. Und anzuhören, denn die Fans haben Effenberg bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Wahrscheinlich habe ich mich mehr damit beschäftigt als der Stefan selbst. Der ist ganz cool geblieben. Er hat sogar ein sehr gutes Spiel gemacht, deswegen hat Gladbach ein 1:1 bei uns geschafft. Ich glaube, Effenberg braucht dieses feindselige Klima. Wenn er beschimpft wird, kriegt er einen Adrenalinstoß und spielt noch eine Klasse besser. Deswegen sollten unsere Fans ihn am besten in Ruhe lassen. So etwas stört ihn am meisten.

Holger Gehrke hütete in der Bundesliga für Blau-Weiß 90, Schalke und Duisburg das Tor. Jetzt ist er Kotrainer bei Hertha BSC.

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