Sport : Stipo Papic hat sich bei Alba Berlin zum wichtigsten Nachwuchsspieler entwickelt

Benedikt Voigt

Von einem deutschen Basketball-Nationalspieler lässt sich mitunter sogar kroatische Grammatik lernen. "Wir haben sieben Fälle", erklärt Stipo Papic, "wenn man gerufen wird, ändert sich das O, das am Ende steht, in ein E." Deshalb also ruft Svetislav Pesic "Stipe", wenn der Trainer von Alba Berlin etwas von seinem jungen Spieler will. Früher unterzeichnete Papic einige Schriftstücke sogar mit "Stipe". "In letzter Zeit achte ich aber darauf, dass ich nicht mehr mit E unterschreibe", sagt der 2,06 Meter große Hüne. In letzter Zeit ist Stipo mit O auch ein Name, den man sich merken muss.

Wenn Alba Berlin am Donnerstag (Max-Schmeling-Halle, 20 Uhr) in der Europaliga gegen Real Madrid antritt, bekommt Stipo Papic wahrscheinlich erneut Gelegenheit, ein paar Minuten auf höchster europäischer Ebene zu spielen. Der Sohn kroatischer Eltern ist in dieser Saison derjenige aus der Garde der jungen Alba-Spieler, der als Erster von Trainer Pesic eingewechselt wird und die meiste Spielzeit bekommt. "Wenn ich reinkomme, muss ich erstmal Defense spielen", sagt Papic, "aber es wird keinem vorgeschrieben, nicht auf den Korb zu werfen." Dem 20-Jährigen gelangen in Ljubljana erstmals zwei Punkte. In 14 Minuten Europaligaspielzeit sein erster und einziger Wurf - nun weist er die beeindruckende Wurfquote von 100 Prozent auf. "Da muss man nicht gleich in die Luft springen", sagt Papic, "man freut sich halt ein bisschen mehr."

Zur Freude gibt es für den Power Forward in dieser Saison Grund genug. Vor einer Woche kam Bundestrainer Henrik Dettmann vor dem Krafttraining in die Max-Schmeling-Halle und teilte ihm mit, dass er ihn in den Kader der Nationalmannschaft berufen werde. "Das ist ein erster Schritt, damit ich mal eingeführt werde", freut sich Papic. Seine Konkurrenten auf der Position Vier im Nationalteam kennt er gar nicht. "Der Terdenge", glaubt Papic, "aber darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht." Genausowenig über die Tatsache, dass er beim Deutschen Meister inzwischen Centerspieler Robert Maras aus der Rolle des aussichtsreichen Nachwuchskandidaten mit der größten Einsatzzeit gedrängt hat. "Das stimmt schon", sagt Papic, "aber so ist der Sport." In der vergangenen Saison habe er Maras seine Einsatzzeit gegönnt, nun hoffe er, dass das beim Mannschaftskollegen ebenso sei.

Nicht ohne Stolz verweist Papic auf etwas, was ihn aus dem Kreis der Spieler von Alba Berlin hervorhebt. "Seit Mithat Demirel weg ist, bin ich der einzige gebürtige Berliner im Team." Jörg Lütcke und Ademola Okulaja sind erst als Kinder nach Berlin gezogen. Weil Papic an dieser Stadt hängt, habe er auch nie an einen Wechel zu einem US-College nachgedacht: "Das war zu weit weg." Als er mit 17 Jahren die Berufung für die deutsche U-18-Nationalmannschaft bekam, entschied er sich dafür, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Warum? "Das hat sich so ergeben", sagt Papic, "außerdem würde ich sonst einen Ausländerplatz in der Bundesliga wegnehmen - glaube ich."

Gegen Real Madrid sieht Papic für seinen Klub gute Chancen, den dritten Erfolg in Serie zu landen. "Der Sieg in Ljubljana war wichtig", sagt Papic, "sonst wären wir zu abgeschlagen." Mit einem Sieg könne Alba bis auf Rang zwei vorrücken. Was aber, wenn man gegen Madrid verliert? "Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht."

Weil der Berliner, der am Sonnabend seinen 21. Geburtstag feiert, eine Doppellizenz besitzt, spielt er weiterhin für den Zweitligisten TuS Lichterfelde. In umgekehrter Rolle. "Dort gehöre ich zu den Alten und den Leistungsträgern", beschreibt Papic, "das ist ein vollkommen anderes Gefühl". Dieses Gefühl auch einmal bei Alba Berlin zu bekommen, darauf arbeitet der Profi-Basketballer hin. Einmal in der ersten Fünf stehen, das wäre für ihn das A und O. Ohne E.

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