Sport : Stöhnen und staunen

14 500 Zuschauer bewundern Dirk Nowitzki beim 81:65 über Mazedonien

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Zum Zungeschnalzen. Dirk Nowitzki (r.) erzielte in Berlin zwölf Punkte. Foto: Reuters
Zum Zungeschnalzen. Dirk Nowitzki (r.) erzielte in Berlin zwölf Punkte. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Fast 15 Minuten mussten die Zuschauer warten, bevor sie das zu sehen bekamen, wofür sie gekommen waren. Natürlich war auch der Rest des Länderspiels zwischen der deutschen Basketball-Nationalmannschaft und Mazedonien von allgemeinem Interesse, die meisten der rund 14 500 Augenpaare in der schon seit Wochen ausverkauften Arena am Ostbahnhof ruhten allerdings auf Dirk Nowitzki. Bei jeder Aktion des 33-Jährigen war zu spüren, wie das Publikum den Atem anhielt. Bei den ersten drei erfolglosen Würfen Nowitzkis stöhnten die Zuschauer noch auf, sein erster Treffer Mitte des zweiten Viertels wurde umso lauter bejubelt. Am Ende kam der Profi von den Dallas Mavericks auf zwölf Punkte, die deutsche Mannschaft gewann ihr letztes Spiel vor dem Start der Europameisterschaft in Litauen souverän mit 81:65 (42:24). „Ich fühle mich immer besser, das war das beste von allen sechs Testspielen“, sagte Nowitzki. „Bei der EM ist einiges drin, ich freue mich auf Mittwoch.“ Dann startet das deutsche Team gegen Israel ins EM-Turnier.

Vor Spielbeginn galten viele bange Blicke dem rechten Knie des deutschen Stars, Nowitzki hatte in den vergangenen Tagen über muskuläre Probleme geklagt, ein Tape-Verband sollte Schlimmeres verhindern. Bundestrainer Dirk Bauermann schickte den NBA-Profi trotzdem sofort auf das Feld, auch Albas Heiko Schaffartzik stand erstmals in der EM-Vorbereitung in der Startformation. Nowitzki hielt sich zunächst zurück, die ersten Würfe des Würzburgers gingen daneben. Ohnehin bekamen die Zuschauer einen etwas anderen Nowitzki zu sehen, als sie es von NBA-Übertragungen gewohnt sind: Der 2,13 Meter große Power Forward hat in der Sommerpause an Muskelmasse verloren. „Dirk sucht natürlich noch nach einer Form, die es uns als Mannschaft erlauben würde, bei der EM weit zu kommen“, sagte Bauermann. „Aber er wird den Schalter noch umlegen, das weiß ich.“

Das Spiel war offen, bis Nowitzki seine ersten Würfe traf. In seinem 133. Länderspiel war er erst von der Dreipunktelinie erfolgreich, dann gelang ihm einer seiner patentierten Sprungwürfe im Rückwärtsfallen. Eine 11:0-Serie der Deutschen bis zum Zwischenstand von 33:18 brach den Widerstand der Mazedonier, die ohnehin nur leidlich engagiert wirkten. Zur Halbzeit stand es 42:24 für Bauermanns Team, das den selben Gegner bereits zwei Tage zuvor in München 70:68 besiegt hatte.

Unter den Augen von Bundespräsident Christian Wulff, der Nowitzki am Vormittag mit dem Silbernen Lorbeerblatt, der höchsten deutschen Auszeichnung für sportliche Leistungen, ausgezeichnet hatte, spielte das deutsche Team auch nach der Pause gut zusammen. Bis auf den Berliner Lucca Staiger punkteten alle Deutschen, Chris Kaman war im Angriff hellwach, gönnte sich dafür in der Defensive ein paar verschnarchte Momente. Am Ende kam der Center auf 17 Zähler, bester Werfer war Philipp Schwethelm, der alle seine fünf Dreier-Versuche verwandelte und 19 Punkte erzielte.

Mazedonien traf nur sehr wenige Würfe und war auch sonst ein dankbarer Gegner – bis kurz vor dem Ende des dritten Viertels. Beim klaren Stand von 57:33 für die Deutschen zog Nowitzki zum Korb und wurde gefoult, der Pfiff der Schiedsrichter blieb aber aus. Das Publikum pfiff und buhte umso heftiger, der sonst eher brave deutsche Flügelspieler Robin Benzing riss im Gegenzug Lester Mekkaleb rüde um, der sofort aufsprang und von Kaman festgehalten werden musste. In dem kurzen Gerangel stürmte sogar Bauermann auf das Feld, um auf die Schiedsrichter einzubrüllen. „Dirk hat das Recht, dass seine Mitspieler und sein Trainer ihn schützen“, sagte Bauermann hinterher und lobte das harte Foul von Benzing als „hervorragende Geste“.

Weitere solche Demonstrationen der Härte waren nicht nötig, Nowitzki verbrachte das vierte Viertel auf der Bank. Der Jubel nach der Schlusssirene galt trotzdem zum großen Teil ihm.

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