Sport : Stoiker im Pfeifkonzert

Asamoah glänzt bei Schalkes Sieg in Dortmund

Jörg Strohschein[Dortm]

Der Schlusspfiff im Dortmunder Stadion setzte bei Gerald Asamoah sichtlich Gefühle des Überschwangs frei. Er machte keine Anstalten, diese verbergen zu wollen. Asamoah hüpfte von einem Rücken seiner Mitspieler auf den nächsten und feierte den 3:2-Erfolg über Borussia Dortmund ausgiebig – und vielleicht auch ein wenig sich selbst. Er war der überragende Akteur dieser Partie, daran gab es keine Zweifel. Und dies, obwohl er von Beginn an eine kaum empfehlenswerte Sonderrolle eingenommen hatte.

Dieses Bundesligaspiel beim BVB hatte für den 29-Jährigen nicht nur die traditionelle Brisanz eines Revierderbys, Asamoah konnte sich zudem unschönen und aggressiven Anfeindungen des Dortmunder Publikums sicher sein. „Mir war klar, was mich erwartet. Aber ich habe versucht, die Pfiffe auszublenden, obwohl sie schon ein wenig weh getan haben“, sagte der Schalker Angreifer nachher. Der Grund für die Anfeindungen lag in dem Zwist zwischen ihm und dem derzeit verletzten BVB-Torhüter Roman Weidenfeller im Hinspiel. Nicht nur Dortmunds Anhänger wollten sich dafür rächen, dass Asamoah ihrer Auffassung nach die angeblich rassistischen Äußerungen Weidenfellers in die Öffentlichkeit getragen und damit einen Ehrenkodex verletzt haben soll. Schon Tage zuvor liefen die Internetforen mit diesem Thema nahezu über. Und auch die Dortmunder Profis schienen sich einig, dass die beim BVB „unerwünschte Person“ dafür eine Lektion erteilt bekommen sollte.

Vor allem zu Beginn der Partie sah es so aus, als ob jeder BVB-Spieler, der irgendwie in Asamoahs Nähe gelangte, sich mit einem Foul revanchieren wollte. Der nahm jeden Tritt, jeden Ellenbogenschlag mit stoischer Ruhe hin, die häufigen Provokationen prallten an ihm ab. Asamoahs Konzentration galt einzig seinem Spiel, und das sollte sich auszahlen. Er erzielte nicht nur den ersten Treffer zur Führung selbst, sondern holte nach dem Dortmunder Ausgleich den Freistoß zum 2:1 heraus. Auch den Siegtreffer durch Fabian Ernst bereitete er, nach einem brillanten Hackentrick, millimetergenau vor.

Dass Gerald Asamoah diesen Treffer für Schalke überhaupt erzielen konnte, hatte er dem wohl spontanen Umdenken der Schalker Verantwortlichen zu verdanken. Denn noch vor einigen Wochen sah es so aus, als sollte sein bis zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert werden. Sein Potenzial schien für die Schalker nicht mehr auszureichen. Vor allem Hannover 96 hatte zur Winterpause um Asamoah gebuhlt. Doch Schalkes sportliche Leitung änderte ihren Kurs. Manager Andreas Müller verkündete frühzeitig die nahezu perfekte Vertragsverlängerung. Asamoah selbst wusste freilich nichts davon. Doch das ist vergessen, der Vertrag bis 2011 ist unterzeichnet, und Asamoah hat nun, angespornt durch erhöhten Konkurrenzkampf, sogar das Toreschießen für sich entdeckt. „Ich habe mich immer durchgesetzt, egal welche Stürmer gekommen sind“, betont Asamoah Jahr für Jahr. Er scheint Recht zu behalten.

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