Sport : Stolpern für Olympia

Benedikt Voigt

An jedem Tag spielt sich bei den Olympischen Spielen im Hauptpressezentrum aufs Neue eine Slapstick-Komödie ab. Dort bildet das irrgartenähnliche Haus nicht die einzige Herausforderung, der sich tausende Journalisten täglich stellen müssen. Das schwierigste Hindernis ist eine graue, zehn Zentimeter hohe Schwelle. Unter ihr verlaufen im Arbeitsraum die Kabel. Da die Architekten um die Gefahr wussten, haben sie die Schwelle mit einem gelb-schwarzen Band versehen. Allein – es hilft nicht.

Täglich stolpern zahlreiche Menschen über diese Schwelle. Eine repräsentative Zählung per Strichliste ergab, dass pro Stunde sieben Journalisten das Hindernis nicht unfallfrei bezwingen können. Gott sei Dank gibt es keine größeren Verletzungen. Ein Fluch, ein geprellter Zeh, das war’s. Wer auf Platz 354 sitzt, hat im Pressezentrum viel zu lachen. Er kann täglich eine Szene aus „Dinner for one“ miterleben: Der Butler nähert sich dem Tigerkopf, er stolpert und fängt sich so gerade noch. Neulich saß ein belgischer Journalist auf Platz 354. Auch er lachte über die Kollegen, die das Hindernis nicht sahen und es erst mit einem Stolperschritt bezwingen konnten. Als er seine Arbeit beendet hatte, packte er seinen Laptop in die Tasche, stand auf – und fiel auch über die Schwelle.

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