Sport : Stolz in Slowenien

Mit dem Erreichen des Viertelfinales bei der Europameisterschaft melden sich die deutschen Wasserballer in der Weltspitze zurück

Hartmut Moheit

Berlin. Als die deutschen Wasserballer vor ein paar Tagen nach Slowenien aufbrachen, haben sie von Brasilien geträumt. Vom Anflug auf Rio de Janeiro und von dem Stolz, den sie verspüren würden, wenn der Zuckerhut so langsam vor ihren Augen erscheinen würde. „Nur fünf Teams aus Europa dürfen in Rio um die Qualifikation für Olympia in Athen spielen“, hatte Bundestrainer Hagen Stamm seinen Spielern zuvor immer wieder erzählt. Drei europäische Mannschaften sind aber von vornherein gesetzt. Die Europameisterschaft in Slowenien sollte für die Mannschaft nur eine Zwischenstation sein.

Seit Pfingstmontag ist sicher, dass die Flüge nach Südamerika gebucht werden können. Ausgerechnet Spanien, der Weltmeister, musste beim 10:8 der deutschen Mannschaft dafür herhalten, dass mit dem Einzug ins Viertelfinale dieses erste große Ziel bereits erreicht ist. Nicht Deutschland musste bis zum letzten Vorrundenspieltag zittern, was allgemein erwartet wurde, sondern die Spanier und auch der Europameisterschaftszweite Italien. Den hatten die Männer um Kapitän Patrick Weissinger ebenfalls bezwungen. Als diese zwei Teams am Dienstagabend gegeneinander spielten, war klar, dass eines von beiden nicht ins Viertelfinale kommen würde. In diesem Moment spürte Hagen Stamm das erste Mal während dieser EM-Tage Stolz: „Da schaust du zu, siehst, wie die beiden Top-Mannschaften mit allen Mitteln ihre letzte Chance suchen, und denkst, wohin sie wollen, da sind wir bereits.“

Und doch haben die Deutschen lediglich ihr Minimalziel erreicht, noch im Kampf um die Medaillen zu sein. Schon das hatte ihnen in der Gruppe B fast niemand zugetraut. Gegen Griechenland, Kroatien und Slowenien hatte das deutsche Team jeweils knapp verloren. Zuletzt gab es ein 9:12 gegen die Gastgeber, das niemanden bei den Deutschen nachdenklich werden ließ. Zumal die Niederlage auch hilfreich war.

„Ich spiele im Viertelfinale lieber gegen Serbien-Montenegro, auch wenn es der Titelverteidiger ist“, sagte Stamm. Hätte das deutsche Team gewonnen, hätte es gegen Ungarn antreten müssen. Das Wiedererstarken des deutschen Männer-Wasserballs ist auch den beiden Trainern zu verdanken. Mit Hagen Stamm und Peter Röhle, dem Trainer des deutschen Rekordmeisters Wfr. Spandau 04, sind Männer für die Deutschen verantwortlich, die selbst einst Weltspitze verkörperten. 1989, als Deutschland letztmalig Europameister wurde, waren sie noch aktiv. Danach begann für die Wasserballer der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.

Bis zu jenem Tag, als die Großen von einst die Regie übernahmen. „Meine Mannschaft musste erst wieder lernen, mit Siegen richtig umzugehen und sich Respekt bei den internationalen Schiedsrichtern zu verschaffen“, sagt Hagen Stamm. Was sich vor allem auszahlte, war die Konzentration der Spitzenspieler bei Spandau 04. Acht von ihnen gehören zum Nationalteam. Denn vom Profistatus im Wasserball, wie er in Italien, Spanien und Griechenland alltäglich ist, kann in Deutschland keine Rede sein. Erst recht nicht von einer starken Wasserball-Bundesliga. Stamm sieht deshalb nur Chancen „über einen eigenen Weg“. Länder wie Holland oder Rumänien wollen den nun auch einschlagen. „Diese Länder bewegen sich im Wasserball auf unserem Niveau“, sagt Stamm, „aber sie sind nicht im Viertelfinale.“

Mehr noch, Deutschland hat auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Monat in Barcelona geschafft. Dort gibt es eine weitere Chance: Der Weltmeister qualifiziert sich direkt für Athen. „Daran denken wir gar nicht“, sagt Stamm. Er und Peter Röhle können ihren Spielern bereits jetzt etwas von Rio de Janeiro erzählen. Zu ihrer großen Zeit, als die Deutschen noch zur Weltspitze zählten, durften sie mit Spandau 04 dort einmal trainieren. Von einem solchen Trainingslager brauchen die jungen Spieler heute nicht einmal zu träumen.

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