Sport : Stolze Schweizer

Das junge Team ist Gruppensieger ohne Gegentor

Armin Lehmann

Hannover - Gerade hatte Alexander Frei noch auf dem Rasen gestanden und sich mit seinem Team umspülen lassen vom roten Fahnenmeer. Die Schweizer Spieler hatten sich umarmt und vor ihren Fans getanzt. Das war erst ein paar Minuten her, die Emotionen tobten ungestüm umher. Dann musste der Schweizer Stürmer in einen Saal der Fifa, wo er als bester Spieler der Partie geehrt wurde. Normalerweise wäre dies keine Erwähnung wert, weil die Zeremonie nach jedem Spiel gleich ist, aber Freis kurzes Statement sagte so viel aus über ihn und das Team, dass es der Nachwelt überliefert werden sollte. „Ich bin stolz für die Schweiz spielen zu dürfen. Wir sind jetzt unter den besten 16 Teams der Welt. Und meine Trophäe widme ich der Sporthochschule Magglingen und allen Physiotherapeuten, die mich so gut betreut haben.“ Was für ein bescheidener Dank! Gerade hatte die Schweiz eine historische Fußball-Stunde erlebt, Frei hatte vorne allein geackert, bis er schließlich das erlösende 2:0 erzielte – und dann fällt so ein Satz.

Freis Mini-Rede war der erste Hinweis darauf, dass der Einzug ins Achtelfinale den Schweizern nicht zu Kopfe steigen wird, was sie wiederum nicht weniger gefährlich macht. Auch Ricardo Cabanas teilte hinterher nüchtern mit, dass man die kurzen Feierlichkeiten auf dem Rasen erledigt hätte, in der Kabine sei es schon wieder ruhiger gewesen, und nun schaue man auf das nächste Spiel.

Die Schweizer werden das in aller Gelassenheit tun, aber die Partie gegen Südkorea war so dramatisch und gut, dass ein kurzer Rückblick sich lohnt. Schließlich geht es ja um den Tabellenführer der Gruppe G, der die Vorrunde mit stolzen sieben Punkten und keinem einzigen Gegentor, als einzige Mannschaft übrigens, abgeschlossen hat.

Von der ersten Sekunde an stand ein junges Team auf dem Platz, das wild entschlossen war, sich von den quirligen und unberechenbaren Gegnern nicht umzingeln zu lassen. Vor allem über die Youngster Philipp Degen und Tranquillo Barnetta lief das Spiel der Schweizer nach vorn, aber auch Hakan Yakin bewies im Aufbauspiel, dass es richtig war, ihn erstmals von Beginn an zu bringen.

Hinzu kam im dritten Spiel die dritte Leistungssteigerung. Immer wieder kombinierte man schnell und zwang die Südkoreaner durch ständige Positionswechsel aus der Deckung. Zahlreiche Chancen wurden erspielt, aber das fällige Führungstor machte Philippe Senderos nach einer Ecke des starken Barnetta mit dem Kopf (26.). In der zweiten Halbzeit wechselte Kuhn ein wenig die Taktik, ließ etwas defensiver agieren und schloss den Ring um den eigenen Strafraum. Das klappte zwar nicht immer perfekt, und die Südkoreaner kamen oft bedrohlich nahe, mehr aber passierte nicht.

Frei machte endlich noch das zweite Tor, was keineswegs abseits war, weil der Ball vom Gegner kam. Zuvor hatte Frei schon die Latte getroffen und war einige Male mit Schüssen gescheitert. Nach dieser Reifeprüfung wusste man auch, wie wichtig das viel gescholtene 0:0 gegen Frankreich war. Es war kein gutes Spiel, das wissen die Schweizer auch, aber es gab ihnen Sicherheit, die mithalf, Togo zu besiegen und gegen Südkorea selbstbewusst auf Sieg zu spielen. Alexander Frei sagte übrigens noch einen etwas weniger bescheidenen Satz: „Wir sind jetzt bereit, Europa zu erobern und die ganze Welt.“ Am Montag wartet erst einmal die Ukraine.

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