Sport : Stoßen ist nicht rempeln

Manfred Amerell

erklärt, warum Mainz einen Elfmeter bekommen hat 63. Minute im Mainzer Bruchwegstadion: Sogar viele Fans der Heimmannschaft wundern sich, als Schiedsrichter Michael Weiner nach einem harmlos aussehenden Zweikampf zwischen Petr Ruman und Dortmunds Sebastian Kehl auf Elfmeter entscheidet. Wie hart muss ein Foul sein, damit der Schiedsrichter Strafstoß gibt?

Ob es nun eine „harte“ Entscheidung war oder nicht: Sie war richtig. Foul ist Foul. Kehl stößt Ruman in den Rücken, dieses Stoßen hat nichts mit dem erlaubten Rempeln zu tun, wenn Schulter an Schulter liegt und der Arm angelegt ist. Es macht keinen Unterschied, ob ein Vergehen im Mittelfeld stattfindet oder im Strafraum – die Folgen sind nur andere. Das ist auch vielen Spielern nicht immer bewusst. Kehl ist in dieser Szene ein Risiko eingegangen, weil die Hemmschwelle, diesen Zweikampf abzupfeifen, für den Schiedsrichter im Strafraum ein wenig höher liegt. Aber niemand regt sich auf, wenn der gleiche Zweikampf anderswo auf dem Spielfeld abgepfiffen wird.

Weiners Entscheidung war in jedem Fall regelkonform. Es liegt im Ermessensspielraum des Schiedsrichters, wie er innerhalb der Regeln Zweikämpfe bewertet und seine Spielleitung anlegt. Das ist auch eine Frage der Persönlichkeit des Schiedsrichters, zudem wäre ein Stürmer in der englischen Liga gar nicht umgefallen. Auch Kehl hat ja moniert, dass Ruman zu Boden gegangen ist. Das kann man durchaus so sehen, es spielt bei der Bewertung der Aktion durch den Schiedsrichter aber keine Rolle. Ruman ist nach dem Stoßen von Kehl umgefallen, und die Wirkung ist entscheidend. Nach dem Pfiff musste Michael Weiner noch ermessen, ob es ein taktisches Foul von Kehl war, um eine Torchance zu verhindern. Wäre er dieser Ansicht gewesen, hätte er Kehl noch die Gelbe Karte gezeigt. Egal, wo auf dem Spielfeld er gefoult hat.

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