Sport : Strafe muss sein

Auch Stoiber will nun ein Anti-Doping-Gesetz, der Sport dagegen streitet noch

Friedhard Teuffel

Berlin - Die Tour de France ist im Ziel, aber die staatliche Dopingbekämpfung in Deutschland kommt gerade erst ins Rollen. Aufgerüttelt vom Skandal um Jan Ullrich will nun auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ein Gesetz gegen den Betrug im Sport. Am Montag beauftragte er zwei seiner bayerischen Minister, Grundlagen für ein deutsches Anti-Doping-Gesetz zu erarbeiten. Es soll sich an Ländern wie Spanien orientieren und noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten. Wie ein solches Gesetz aussehen soll, darüber herrscht derzeit aber noch nicht einmal im Sport Einigkeit.

Gestritten wird darum, ob schon der Besitz von Dopingmitteln für Athleten und Trainer strafbar sein sollte. Für Clemens Prokop, den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), ist diese Besitzstrafbarkeit Voraussetzung für einen effizienten Kampf gegen die Manipulation. „Sonst ist es unmöglich, an die Hintermänner zu kommen“, sagte der promovierte Jurist dem Tagesspiegel. „Es läuft doch in der Regel so: Wenn ein Athlet erwischt wird, bestreitet er, dass er wissentlich gedopt hat. Für die Staatsanwaltschaft gibt es dann keinen Anhaltspunkt für Ermittlungen.“

Thomas Bach, der ranghöchste deutsche Sportfunktionär, hatte in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ einen anderen Standpunkt formuliert. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) befürwortet die Besitzstrafbarkeit nicht und warnte stattdessen davor, die Athleten zu kriminalisieren: „Sanktionen gegen Athleten sind nur effektiv, wenn sie international durchsetzbar sind.“ Die Sanktionen des Sports könnten weltweit umgesetzt werden, die des Staates wegen der unterschiedlichen Gesetzeslagen nicht.

Das will Prokop so nicht stehen lassen: „Wenn das seine Position ist, hat er von uns kein Mandat“, sagte Prokop. Auch in anderen Ländern wie Schweden und Belgien stehe der Besitz von Dopingmitteln unter Strafe. Es stimme außerdem nicht, dass die Dopingbekämpfung in Deutschland nur unter einem Vollzugsdefizit leide, also die Gesetze ausreichten und nur besser angewendet werden müssten, sagte Prokop: „Das Arzneimittelgesetz bestraft nur die Abgabe von Dopingmitteln. Aber es ist sehr problematisch, wenn ein Athlet seinen Trainer anzeigt. Denn dann riskiert er meist selbst eine Dopingsperre.“

Prokop wirft Bach vor, dass er mit seiner Position sogar noch hinter den Beschlüssen des alten Sport-Dachverbandes zurückbleibe. Im November des vergangenen Jahres hatte sich das Präsidium des Deutschen Sportbundes einen Bericht einer Expertenkommission zu Eigen gemacht, in dem empfohlen wird, Anabolika in das Betäubungsmittelgesetz aufzunehmen, wenn sie als suchtgefährdend einzustufen sind. Dem haben sich nun auch die Bundestagsfraktionen von Union und SPD angeschlossen.

Schon bei einer Regionalkonferenz des DOSB in München hatte sich Prokop nicht mit Bach auf einen Nenner verständigen können. Die Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes, Christa Thiel, kann sich daher vorstellen, dass sich die Spitzenverbände, deren Sprecherin sie ist, des Themas noch einmal annehmen und möglicherweise eine Position finden. Das ist Prokop aber zu wenig. Der DLV-Präsident fordert eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB. Die Spitzenverbände und die Landessportbünde sollten gemeinsam entscheiden, wie der deutsche Sport sich den Beitrag des Staates zur Dopingbekämpfung vorstellt. Prokop hofft dabei unter anderem auf die Unterstützung des Bundes Deutscher Radfahrer, dessen Präsident Rudolf Scharping ebenfalls schärfere Gesetze gegen Doping gefordert hat. „Ein Beschluss der Mitgliederversammlung wäre auch für den DOSB-Präsidenten bindend“, sagte Prokop. Den Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten zum Anti-Doping-Kampf hat Prokop mit Freude zur Kenntnis genommen. Auch Stoiber spricht schließlich davon, den Besitz von Dopingmitteln staatlich zu verfolgen.

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