Sport : Straflos glücklich

Verspäteter Spielbeginn bleibt für HSV folgenlos

Karsten Doneck[Hamburg]

Die Verzögerung des Anpfiffs gab auch einen Einblick in den Zeitvertreib von Fußballprofis. „Einige haben ein Buch gelesen, andere Kaffee getrunken“, berichtete Thomas Doll aus dem Innenleben der Kabine vor dem Spiel. Und der Trainer des Hamburger SV stellte klar: „Der Konzentration der Spieler tut so etwas keinen Abbruch.“ Baubehörde und Polizei wollten am Sonntag um 16 Uhr, eineinhalb Stunden vor der offiziellen Anstoßzeit, das Bundesligaspiel des HSV gegen den 1. FC Kaiserslautern absagen – wegen Sicherheitsbedenken. In der AOL-Arena hingen so genannte Schnee- und Eisbretter am Tribünendach und drohten von dort aufs Spielfeld zu fallen. Mit tatkräftiger Unterstützung einer eiligst herbeitelefonierten Sondereinheit der Feuerwehr rettete der HSV die Durchführung der Partie, die von Schiedsrichter Franz-Xaver Wack mit 75 Minuten Verspätung angepfiffen wurde und den Hamburgern einen sicheren 3:0 (0:0)-Sieg brachte.

Die Gäste aus Kaiserslautern ärgerte nicht so sehr die verdiente Niederlage, vielmehr beklagten sie sich über die äußeren Umstände. FCK-Trainer Wolfgang Wolf warf dem HSV vor, sich viel zu spät um die Beseitigung der Gefahrenherde auf dem Dach gekümmert zu haben. Schließlich habe bereits um 10.30 Uhr eine Platzbesichtigung stattgefunden. „Hier wurde nicht professionell gearbeitet, das ärgert mich“, schimpfte Wolf. Als die Feuerwehrleute die schweren Schnee- und Eisbrocken vom Tribünendach entfernten und aus 58,5 Metern Höhe auf den Rasen plumpsen ließen, war auch Wolf beeindruckt: „Was da runterkam, war ja lebensgefährlich.“

Der HSV entschuldigte sich gleich nach Spielende offiziell für die Vorkommnisse. „Oberstes Gebot war für uns die Sicherheit, die konnten wir einhalten“, sagte Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) forderte vom HSV ein Protokoll der Ereignisse an, mit einer Bestrafung rechnet der Klub jedoch nicht. Lediglich den Feuerwehreinsatz muss der HSV bezahlen, die Rechnung wird bei rund 1000 Euro liegen.

Die Lauterer denken auch nicht an einen Protest. „Die Begleitumstände – das ist doch die eine Seite. Die andere ist, dass wir völlig verdient 0:3 verloren haben“, sagte Wolfgang Wolf.

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