Sport : Strandkorb statt Boxengasse

Warum Motorsport-Direktor Gerhard Berger an seinen Rücktritt bei BMW denkt – und was ihn noch umstimmen könnte

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Herr Berger, stellen Sie sich doch mal vor, es ist gerade GrandPrix-Wochenende und Sie relaxen mit Ihrer Familie am Strand…

Erholung meinen Sie. Ja, das ist ein Gedanke, der mich bewegt. Deshalb will ich auch bei BMW aufhören. Nach mehr als 20 Jahren im Motorsport kann ich ohne weiteres auch mal ohne Grand Prix auskommen.

Sind Sie sich da ganz sicher?

Ganz sicher.

Würden Sie denn Ihre Pläne ändern, wenn BMW, nachdem 2004 der Vertrag mit Williams ausläuft, den neuen Formel-1-Rennwagen allein baut?

Ja, das wäre eine neue Herausforderung, die mich reizen könnte. Entscheidend für meinen Entschluss wäre das jedoch nicht. Andererseits gibt es da noch andere Aufgaben in der Formel 1, die mich motivieren könnten.

Welche denn?

Da gibt es viele Optionen. Das geht vom eigenen Auto bis zur Erneuerung des Vertrages mit Williams.

Und warum denken Sie ans Aufhören?

Naja, diese Variante wird vom BMW-Vorstand nicht favorisiert .

BMW will sich offenbar weiterhin in der Formel 1 engagieren. Müssen Sie – wie andere auch – bereits in der kommenden Saison mit weniger Geld auskommen?

Nein, wir haben langfristige Verträge, da trifft uns das noch nicht so wie diejenigen, die jetzt neu verhandeln müssen.

BMW-Williams schöpft also aus den Vollen. Frei nach dem Motto von Toyota-Motorchef Gustav Brunner: Wer sparen will, soll zur Sparkasse gehen.

Genau so denken wir nicht.

Welches Beispiel fällt Ihnen denn dafür ein, wie BMW den vom FIA-Präsidenten Max Mosley angestrebten Sparkurs unterstützen wird?

Für den neuen Qualifikations-Modus, bei dem nur eine Runde zählt, könnte man ein spezielles Auto entwickeln. Allerdings hat Mario Theissen, mein Partner bei BMW, dazu gesagt, dass dies ein Schuss ins Knie wäre. So ist es auch, damit würden wir das Gegenteil von Sparen praktizieren.

Dabei ist Sparsamkeit ein Schlüsselwort in diesen Tagen, Pessimismus herrscht vor. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Nur diejenigen, die eine schwierige Situation durch gutes Management bewältigen, stehen gut in den Startlöchern, wenn es aufwärts geht. So handeln wir bei BMW.

Dabei müssten Sie ja eigentlich daran verzweifeln, wie Ihre Autos in der vergangenen Saison hinter Ferrari lagen…

Mag sein, aber wir sagen, dass wir 2003 wieder Gleichstand erzielen können, mit einem völlig neuen Motor und zwei guten Fahrern.

Juan-Pablo Montoya und Ralf Schumacher machen oft den Eindruck, als verstünden sie sich nicht besonders. Übernehmen Sie manchmal die Rolle des Vermittlers?

Ungern. Ich selbst habe es als Fahrer gehasst, wenn ehemalige Fahrer ihren Senf dazugegeben haben. Auch wenn es gute Ratschläge waren, für mich war das ein Horror.

Sind Juan-Pablo oder Ralf denn nie an Sie herangetreten?

Doch, das schon. Dann bin auch aktiv geworden.

Ihr Partner Mario Theissen gilt als Motoren-Genie. Was ging in Ihnen vor, als BMW vorige Saison in Monza mit 19 000 Umdrehungen einen neuen Weltrekord aufstellte?

Es war ein großer Tag. Nicht allein wegen der 19 000, vielmehr, dass ein Versprechen von einem tollen Team umgesetzt wurde.

Wie wird der Motor 2003 aussehen?

Er wird kleiner und noch stärker sein und auch einen anderen Schwerpunkt haben.

Das hört sich ungemein spannend an. Und da wollen Sie sich wirklich am Strand sonnen?

Lassen wir mal Weihnachten und Neujahr vergehen .

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

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