Straßenfußball-WM : Verweigertes Visa: "Ein wenig beschämend"

Die Visa-Verweigerung für mehrere afrikanische Teilnehmer der ersten Straßenfußball-Weltmeisterschaft in Berlin stößt auf scharfe Kritik.

Berlin - Der Berliner Migrationsbeauftragte Günter Piening sagte am Mantag, es sei «ein wenig beschämend», dass die deutschen Botschaften in Ghana und Nigeria mehreren Jugendlichen keine Visa erteilt hätten. Dies zeige, wie unflexibel die deutsche Visa-Politik geworden sei.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wies den Vorwurf zurück. Die Anträge seien von Visa-Entscheidern vor Ort «sorgfältig geprüft» und der soziale Hintergrund der Antragsteller beleuchtet worden. Bei jedem einzelnen Teilnehmer aus Ghana und Nigeria habe es an einer «Glaubhaftmachung der Rückkehrbereitschaft» gemangelt, weshalb keine Visa hätten erteilt werden können.

Mit den Entscheidungen der Botschaften beschäftigt sich am Mittwoch auch der Bundestag in Berlin. Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele will im Parlament nach den Gründen für die Ablehnung fragen. Es müsse auch geklärt werden, inwieweit die bisherige Förderung der Streetfootball-Projekte durch den Bund und die Botschaften jetzt wirkungslos würden, sagte Ströbele.

Auch bei der Berlin Tourismus Marketing GmbH hieß es, die Ablehnung passe nicht in eine Welt, «in der wir uns gern als weltoffener Gastgeber verstehen».

«Das ist bitter für die Projekte. Die Jugendlichen mussten ihre gepackten Koffer wieder auspacken», sagte der Geschäftsführer von Streetfootballworld, Jürgen Griesbeck. Das Team in Ghanas Hauptstadt Accra habe erst Anfang Juni einen Sponsor gefunden, um die Jugendlichen nach Deutschland zu bringen. Elf Teams aus Visa-pflichtigen Ländern könnten jedoch am Turnier teilnehmen. Insgesamt werden 22 Teams erwartet.

In Berlin kicken die Jugendlichen vom 2. bis 8. Juli vor bis zu 2200 Zuschauern in einem mobilen Stadion im Stadtteil Kreuzberg. Gespielt wird fünf gegen fünf auf einem Bolzplatz. Mädchen und Jungs spielen zusammen, Schiedsrichter gibt es keine. Das Auftaktspiel bestreiten «fx united» aus Friedrichshain-Kreuzberg gegen das türkische Team «Sokak Ligi» aus Ankara.

Das Projekt Streetfootballworld bezeichnet sich als erstes weltweites Netzwerk für den Straßenfußball. Ihm gehören mittlerweile rund 80 Projekte in fünf Kontinenten an. Dort wird Fußball als ein Mittel gegen Gewalt, Drogen und Armut eingesetzt. (tso/ddp)

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