Straßenrad-WM : Schmutziger Neuanfang

Valverde darf starten, Bettini soll Sinkewitz Dopingmittel geliefert haben - und Pat McQuaid, der Präsident des Radsportweltverbandes UCI, ist ratlos.

Tobias Schall
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UCI-Präsident Pat McQuaid -Foto: AFP

StuttgartEs war 18.28 Uhr, als Pat McQuaid, der Präsident des Radsportweltverbandes UCI, den vorläufigen Schlusspunkt unter einen traurigen Radsporttag setzte. Es waren Stunden, in denen dieser Sport wieder ein Stück näher an den Abgrund gerückt ist. „Wir haben den Fall Valverde vor dem Sportgerichtshof Cas verloren“, sagte er, „Valverde darf in Stuttgart an den Start gehen, wir sehen ihn nicht als entlastet an, aber akzeptieren die Sportgerichtsbarkeit.“ Der Spanier Alejandro Valverde taucht in den Akten des Dopingarztes Eufemiano Fuentes auf, und die Debatte um seinen Start war ein Politikum. Es war das passende Ende eines Tages, an dem der angeblich saubere Neuanfang zum einem schmutzigen Start geraten ist.

Bereits nach wenigen Stunden Rad-Weltmeisterschaft stehen der Radsportweltverband und die Stuttgarter Organisatoren vor einem Totalschaden. Um 15 Uhr kündigte die Stadt Stuttgart an, die UCI wegen Paolo Bettini vor das Landgericht Stuttgart zu zerren, da der Italiener laut UCI in Stuttgart startberechtigt ist. Die Stadt beruft sich auf die WM-Vereinbarung mit der UCI, nach der Fahrer, die unter Dopingverdacht stehen oder die Ehrenerklärung der UCI gegen Doping nicht unterschrieben haben, nicht starten dürfen. Bettini hat bisher die Unterschrift verweigert.

Allerdings sagt McQuaid: „Wir haben kein Recht, Fahrer wie Bettini vom Start abzuhalten, es gilt nur das UCI-Reglement, die Ehrenerklärung ist nur ein Symbol.“ Die WM-Vereinbarung hingegen ist ein von McQuaid unterschriebener Vertrag, weshalb die Stadt heute vor Gericht einen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung stellen und zudem eine Schadensersatzklage in Höhe von einer Million Euro einreichen wird. Diese Summe hängt damit zusammen, dass der WM-Sender ZDF offen über einen Ausstieg aus der Liveberichterstattung nachdenkt. „Wenn diese zweifelhaften Vorgänge nicht eindeutig geklärt werden, dann halten wir uns alle Optionen offen“, sagte der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Sein Sender berichtete, dass Paolo Bettini Dopingmittel an Patrik Sinkewitz geliefert haben soll. Der Sender bezieht sich auf eine Protokollnotiz, deren Quelle nicht genannt wird. Sinkewitz, dessen positiver Dopingtest während der Tour de France bekannt wurde, wird vom ZDF zitiert: „Ich hatte also italienische Fahrer, die dieses Testogel . . . besorgt haben. Man kann die Namen auch nennen, Bramati und Bettini.“ Bettini und Sinkewitz fuhren zusammen bei Mapei und Quick Step. Der Weltmeister ein Drogendealer?

Die Folgen dieser traurigen Entwicklung bekommt auch die Stadt Stuttgart zu spüren, die für das Fiasko am wenigsten kann. Das Bundesinnenministerium friert den WM-Zuschuss von 150 000 Euro aufgrund der Vorfälle ein. „Wenn sich ein Fahrer weigert, die Erklärung zu unterzeichnen, und trotzdem vom Weltverband eine Starterlaubnis erhalten sollte, ist die Glaubwürdigkeit des gemeinsamen Kampfes gegen das Doping im Radsport zerstört“, sagte der Innenminister Wolfgang Schäuble. Das nächste Ungemach droht übrigens von der Cas. Dort klagt auch der Australier Allan Davis, dessen Name wie Valverdes in den Fuentes-Akten auftaucht. Und wie Valverde wird wohl auch der Sprinter Recht bekommen.

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