Sport : Stratege an Bord

Segelstar Jochen Schümann wechselt wohl zum deutschen America’s-Cup-Team

Ingo Petz[München]

Heute wird für den Segelsport in Deutschland wohl ein lang ersehnter Traum in Erfüllung gehen. Im Bayrischen Yacht Club am Starnberger See wird das deutsche America’s-Cup-Team bei „einer außergewöhnlichen Pressekonferenz“ verkünden, dass Jochen Schümann ab sofort im Boot der von United Internet gesponserten Mannschaft sein wird. Höchstwahrscheinlich als Sportdirektor, in der Funktion also, in der der 53-Jährige mit den Schweizern von Alinghi zweimal den Cup gewann. Auch als möglicher Stratege in der Kommandozentrale auf dem Boot wäre der dreimalige Olympiasieger zudem ein Gewinn.

Für viele ist der gebürtige Berliner der Einzige in Deutschland, der eine erfolgreiche Cup-Mannschaft aufbauen kann. „Er hat das Standing, das Wissen und das Talent. Außerdem muss er niemandem mehr etwas beweisen“, hatte der Hamburger Cup-Segler Tim Kröger in der Vergangenheit häufiger gesagt. Auch Kröger, der im diesjährigen Cup bei den Südafrikanern von Shosholoza segelte, ist bei den Deutschen im Gespräch.

Allein aber wird auch ein Schümann die Deutschen nach dem enttäuschenden vorletzten Platz im 32. America’s Cup nicht zum Erfolg bringen können. Vor allem für die 33. Ausgabe der Regatta, die bereits 2009 in Valencia stattfinden soll, darf man noch keine Wunder erwarten, denn die Vorbereitungszeit ist extrem kurz. Zudem ist eine neue Bootsklasse geplant. Allerdings gilt Schümann als ehrgeiziger, intelligenter und teamorientierter Aufbauarbeiter, und so wird er sein Engagement als langfristiges Projekt verstehen, an dessen Ende der erste Cup-Gewinn einer deutschen Mannschaft stehen soll. Viel wird davon abhängen, welche Segler und Designer das neue Cup-Team verpflichten kann. Mit dem neuen polnischen Steuermann Karol Jablonski, der bereits im Juni vom erfolgreichen spanischen Team kam, ist ein gutes Fundament vorhanden.

Neben Schümann soll am Starnberger See zudem ein weiterer Hauptsponsor vorgestellt werden. Sehr sicher ist, dass er aus der deutschen Automobilindustrie kommt. Schon seit längerem werden Kontakte zwischen den deutschen Seglern und Porsche vermutet. Allerdings wird auch gemunkelt, dass die Ingolstädter von Audi den Zuschlag erhalten haben könnten. All das kann nach dem Debakel von Valencia nur optimistisch stimmen.

Weniger optimistisch stimmt der immer noch schwelende Streit zwischen Alinghi-Eigner Ernesto Bertarelli und seinem US-Milliardärskollegen Larry Ellison über die von den Schweizern nach ihrem Cup-Sieg vor zwei Monaten aufgestellten Regeln für den 33. Cup. Software-Mogul Ellison hält das neue Protokoll für unfair. Außerdem kritisiert er, dass der neue Partner der Schweizer, das spanische Team Desafio, ein unrechtmäßiger „Challenger of Record“ sei. Kürzlich hat Bertarelli seinem Ärger über den Zwist mal richtig Luft gemacht. „Wer ist Ellison?“, fragte der 41-Jährige und gab die Antwort selbst: „Das ist ein Loser.“

Die fünf bereits gemeldeten Herausforderer, darunter auch die Deutschen und die Neuseeländer, haben das Protokoll akzeptiert. Mike Sanderson, Chef des englischen Teams Origin, sagt zur vermeintlichen Entscheidung für Alinghi: „Darum geht es im America’s Cup: Er ist und er war nie fair.“ Der Commodore des Royal New Zealand Yacht Squadron John Crawford sagt: „Wir mögen das Protokoll nicht, aber du kannst nicht auf dem Wasser gewinnen, wenn du nicht dabei bist.”

Vergangene Woche errangen die Schweizer vor dem Obersten Gericht in New York, das den Streit nach Ellisons Meinung entscheiden soll, einen Teilerfolg. Der Antrag des Golden Gate Yacht Club, Ellisons Heimat-Club, auf eine richterliche Verfügung wurde abgelehnt. Am 22. Oktober wird es eine weitere Anhörung geben, nach der Richter Hermann Cahn entscheiden wird, ob das New Yorker Gericht für den Fall überhaupt zuständig ist. Cahn empfahl den beiden Parteien, sich weiterhin um eine außergerichtliche Einigung zu bemühen.

All das wird auch Thema bei den deutschen Seglern am Starnberger See sein. Die Stimmung aber wird der Streit nicht trüben können, zumindest heute nicht.

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