Sport : Streichelt mich!

Roteiro

verteidigt sich gegen die Vorwürfe, er sei schwer zu kontrollieren Ich sehe sie schon wieder vor mir, die deutschen Fußballer. Wie sie auf mich zugerauscht kommen, mich 40 Meter weit ins Aus prügeln – und mir dafür auch noch die Schuld geben, anstatt mal ihre groben Gliedmaßen zu betrachten. Ich höre schon, wie sie mir „Murmel“ oder „Untertasse“ hinterherrufen. Dabei ist mein Gehäuse aus feinster Polyesterbaumwolle, mit Latex laminiert, meine Außenschicht aus synthetischem Leder mit Schaumschicht – aber solche Holzfäller können mit einem Ball meiner Klasse einfach nichts anfangen. Der unrasierte Schweizer Torhüter Jörg Stiel behauptet, ich sei unberechenbar. Mein Herr, ich werde komplett maschinell gefertigt, keine menschliche Hand berührt mich dabei – da soll ich mich ausgerechnet von Ihren Pranken fangen lassen? Und Tschechen und Spanier beschweren sich, weil sie mit mir keine Pässe schlagen können.

Nur die wirklichen Genießer wie Zidane oder Beckham wissen halt, wie man mit einem Ball auf meinem Niveau umgeht. Wie man mich über eine Mauer voller Ignoranten in den Winkel streichelt. „Wenn man sein Spiel auf viel Gefühl aufbaut, braucht man einen Ball, der das tut, was man vom ihm verlangt“, sagt Zidane. Gefühl – so funktioniert es! Aber das ist von den Deutschen wohl zu viel verlangt. Bloß gut, dass ich mich in Portugal nur dreimal von ihnen treten lassen muss.

Der Autor ist offizieller EM-Ball

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