Sport : Streik der Ordner weitet sich aus

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Die Kameras waren kaum abgebaut, als es am frühen Montag in Durbans Moses-Mabhida-Stadion zu weniger schönen Szenen als ein paar Stunden zuvor beim Spiel zwischen Deutschland und Australien kam. In einer Tiefgarage des Stadions gingen dabei um kurz nach Mitternacht offenbar 30 Bereitschaftspolizisten mit Pfefferspray und Gummigeschossen auf Hunderte von Wachleuten los, die sich dort versammelt hatten, um gegen den offenbar zu geringen Lohn zu protestieren, der ihnen am Abend gezahlt worden war. „Niemand hatte uns zuvor gesagt, was wir bekommen würden“, klagte Vincent Mkize, einer der Wachleute. Statt der erwarteten 1500 Rand (160 Euro) hätten sie für ihren Einsatz an dem Tag nur 190 Rand (20Euro) erhalten.

Das unerwartet harte und schnelle Vorgehen der Polizei zeigt, wie nervös die Regierung am Kap zurzeit gegenüber jeder Art von Protest ist. Das hat Gründe. Noch im vergangenen Monat waren Teile des Transportsektors am Kap von den Gewerkschaften lahm gelegt worden. Erst nach großzügigen Lohnzugeständnissen konnte der Streik Ende Mai beigelegt werden.

Während der WM – und dank großer medialer Aufmerksamkeit – wird wieder kräftig gestreikt. Bereits beim Spiel von Italien am Montag musste die Polizei die Aufgaben der Ordner übernehmen, weil diese gestreikt hatten. Am Dienstag weitete sich der Ausstand der WM-Ordner auf den Johannesburger Ellis Park aus. Die Ordner hatten am Dienstagmorgen ihren Arbeitskampf um eine höhere Bezahlung fortgesetzt und sich mit ihren Forderungen direkt an die Fifa gewandt. Doch der Weltverband wie auch die südafrikanischen WM-Organisatoren zeigen sich trotz der imageschädigenden Bilder aus mittlerweile drei WM-Städten unbeeindruckt und setzen auf die Polizei als Lückenbüßer. „Es hat zu keiner Zeit ein Risiko für die WM-Besucher bestanden. Es sind 40 000 Polizisten im ganzen Land im Einsatz“, sagte OK-Sprecher Rich Mkhondo.

Südafrikanische Zeitungen sehen die Situation kritisch und spitzen die aktuelle Lage zu: „Die Weltmeisterschaft wackelt“, titelte die Tageszeitung „The Citizen“. In „The Times“ hieß es: „Streiks erschüttern WM.“ Wolfgang Drechsler

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