Streit bei Hertha : Alle gegen Hoeneß

Herthas Präsidium stellt sich geschlossen hinter Werner Gegenbauer – und straft damit Manager Dieter Hoeneß ab.

Sven Goldmann

Es war am späten Nachmittag, das Olympiastadion putzte sich schon heraus für das Spiel gegen Galatasaray, da hatte das Präsidium Hertha BSC noch eine Mitteilung in eigener Sache zu machen. Es ging dabei um eine einstimmige Solidaritätsbekundung für Werner Gegenbauer. Das klingt zunächst nicht besonders spektakulär, schließlich sitzt Gegenbauer dem Gremium als Präsident vor. Sehr viel brisanter ist, gegen wen sich der Geist dieser Erklärung richtet: gegen Manager Dieter Hoeneß, den der Präsident zu Beginn der Woche scharf und vor allem öffentlich kritisiert hatte. Hoeneß pochte daraufhin auf eine Entschuldigung des Präsidenten – und erreichte damit doch nur, dass ihm der Wind noch heftiger ins Gesicht bläst.

Hoeneß sagt nun, ihm werde „bitteres Unrecht angetan“

Hintergrund des in dieser Form einmaligen Streits an der Spitze des Klubs sind Hoeneß’ jüngste Verlautbarungen, nach denen er zwar im Juni 2010 aus der Geschäftsführung ausscheiden, nach einer Auszeit von einem halben Jahr aber vielleicht ins Fußballgeschäft zurückkehren wolle. Dass er dabei ein künftiges Engagement bei Hertha BSC nicht ausschließen mochte, kam im Verein nicht gut an. Der Unmut von Werner Gegenbauer gipfelte in einem Satz, den die „Berliner Morgenpost“ am Mittwoch veröffentlichte: „Der Manager hatte die Chance, öffentlich den Aufschwung von Hertha BSC darzustellen. Aber er hat Dieter-Hoeneß-Festspiele daraus gemacht.“

So heftig ist Hoeneß aus den eigenen Reihen noch nie angegriffen worden. Mit Gegenbauer verband ihn eine enge Männerfreundschaft, die in der Öffentlichkeit manches Mal als Kungelei gegeißelt worden war. Kein Blatt schien zu passen zwischen den früheren Nationalspieler und den Ehrenvorsitzenden der Berliner Industrie- und Handelskammer. Doch schon als Hoeneß vor drei Jahren, zermürbt von der Kritik an seiner Amtsführung, seinen Rückzug ankündigte, rührte sich Gegenbauer nicht und befand vielmehr, Reisende solle man nicht aufhalten. Die nun von Hoeneß vorgetragene Lebens- und Karriereplanung empfand er als Ankündigung einer künftigen Einmischung in Herthas innere Angelegenheiten. Entsprechend scharf fiel Gegenbauers Erwiderung aus.

Hoeneß sagt nun, ihm werde „bitteres Unrecht angetan“, er mutmaßte, Gegenbauer sei so naiv gewesen, sich von Journalisten instrumentalisieren zulassen. Natürlich bleibe es beim für 2010 angekündigten Abschied, aber über seine Zukunft dürfe er ja wohl selbst entscheiden, und alles andere sei überinterpretiert worden. Zu eben diesen Interpretationen wollte ihn die ARD vor ihrer Live-Übertragung am Mittwochabend aus dem Olympiastadion befragen. Dieter Hoeneß ließ ausrichten, er wolle nur zu sportlichen Dingen befragt werden.

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