Streit im DFB : Ballack bereut nicht mehr

Michael Ballack gibt keine Ruhe. Joachim Löw und der DFB halten sich diesmal zurück, damit der Krach nicht eskaliert

Robert Ide,Stefan Hermanns
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Michael Ballack sagt, er habe mit seiner Kritik wachrütteln wollen.Foto: AFP

Theo Zwanziger will am liebsten gar nichts sagen. „Ich vertraue in dieser Sache weiterhin dem Bundestrainer“, sagt der Präsident des Deutschen Fußball- Bundes. „Und mir ist wichtig, dass Michael Ballack seine Führungsrolle auf dem Platz auslebt.“

Diese Sache Ballack – der DFB wird sie irgendwie nicht los. Dabei hatten sich beide Seiten wirklich Mühe gegeben. Mehr als 20 Stunden dauerte es, bis nach dem Friedensgipfel zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Michael Ballack das offizielle Abschlusskommuniqué eines zehn Tage währenden Streits ausformuliert war. Nun hat es nicht mal vier Wochen gedauert, bis die wesentlichen Aussagen von Ballack, dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, schon wieder hinfällig sind. Zumindest kann man seine Aussagen in einem Interview mit dem Fernsehsender Premiere so deuten: „Manchmal will man eben auch bewusst an die Öffentlichkeit gehen, um ein bisschen wachzurütteln. Es hat während und nach der Europameisterschaft ein paar Irritationen gegeben. Ich finde das aber gar nicht schlimm im Fußball, wenn man mal anderer Meinung ist“, sagte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler. Auf die Frage, ob er das Zeitungsinterview, das den Streit mit Löw ausgelöst hat, bereue, antwortete er: „Nein, denn ich habe lediglich in einem vernünftigen Ton meine Meinung gesagt. Ich habe auch niemanden attackiert, das wollte ich ja auch gar nicht.“

Wird der Streit eine endlose Geschichte?

Ende Oktober, bei der Aussprache in der DFB-Zentrale, hatte Ballack noch einlenken müssen: „Ich habe eingesehen, dass es nicht in Ordnung war, an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Vom Inhalt selbst hatte sich der Kapitän der Nationalmannschaft ohnehin nie distanziert, allein die Art hatte er bedauert. Das gilt nun offenbar nicht mehr, und nun wächst die Furcht, dass der eigentlich beigelegte Streit sich zu einer endlosen Geschichte auswachsen könnte.

Löw selbst reagiert zurückhaltend: „Michael hat ein Recht, seine Meinung zu sagen und Kritik zu äußern. Aber nach außen wird er die nicht kundtun. Da können Sie ganz sicher sein. Weil er weiß, was dann die Konsequenzen sind.“ Schon während des Streits stand die Drohung im Raum, dass Ballack sein Amt als Kapitän aufgeben müsse oder ganz aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen werde. Beim Länderspiel vor einer Woche gegen England fehlte Ballack, weil er noch nicht fit war. Die Deutschen verloren 1:2, und die Niederlage könnte Ballack in seiner Ansicht bestätigt haben, dass er für die Nationalmannschaft nach wie vor unersetzlich ist. Man kann es natürlich trotzdem für puren Zufall halten, dass sich Michael Ballack nur eine Woche danach noch einmal zu einem Streit äußert, der eigentlich längst beigelegt sein sollte.

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