STREIT IM SIEGERTEAM : Wurde Barrichello wieder Opfer der Stallorder?

Rubens Barrichello saß da, fertig mit der Welt. Wie 2002 in Österreich war der Brasilianer auf dem Weg zum Sieg, wie damals Michael Schumacher musste er auch in Barcelona seinem in der WM besser platzierten Teamkollegen Jenson Button am Ende den Vortritt lassen. Und wie damals bei Ferrari saß wieder Ross Brawn am Kommandostand. Der Skandal führte 2002 zum offiziellen Verbot der Teamorder, doch in Wirklichkeit ist sie nur subtiler geworden. Schubste Brawn seinen favorisierten Fahrer wieder auf die Siegerspur, nur etwas geschickter als mit einem Überholmanöver auf der Ziellinie? „Ross ist in die Strategie involviert“, sagte Barrichelo. Obwohl beide Brawns mit der gleichen Benzinmenge ins Rennen gegangen waren, bekam Button mitten im Rennen eine andere Strategie, nachdem er am Start von Barrichello überholt worden war. „Ich bin enttäuscht“, sagte Barrichello mit leiser Stimme. „Ich bin gut gestartet und war sogar schneller als Jenson.“ Dann habe er den überraschenden Funkspruch erhalten, dass Button nicht wie geplant dreimal, sondern nur zweimal stoppen würde. „Heute Morgen haben wir entschieden, dass drei Stopps der richtige Weg sind. Ich würde gerne verstehen, warum sie das geändert haben“, sagte ein gezeichneter Barrichello. Ebenfalls nicht verstanden habe er, warum danach „irgendwas am Auto nicht mehr funktioniert hat. Ich konnte nicht mehr so schnell fahren wie vorher und hatte nur noch blockierende Reifen. Ich hoffe, die Jungs kommen zu mir und erklären mir, was das Problem war.“ Button vernahm diese Andeutungen daneben mit einem verlegenen Lächeln.

„Ich möchte nicht darüber reden, denn das ist so fern der Realität“, sagte der Brite. „Heute ging es in meine Richtung, in Monaco geht es vielleicht schon wieder in seine.“ Was Barrichello davon hielt, dokumentierte er mit seinem Abgang. „Ich bin sehr erfahren, was diese Situation angeht“, sagte er. „Ich werde keine Teamorder mehr befolgen! Ich sage das hier klipp und klar, damit es jeder weiß.“ Dann stand er auf und ließ eine letzte philosophische Eingebung heraus: „Ich gehe nach Hause, glücklich mit mir selbst. Denn ich habe alles gegeben, was ich konnte.“ Christian Hönicke

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