Sport : Streit über den Sinn der deutschen Teilnahme am Konföderationen-Cup

Thomas Niklaus

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte nach Aussage seines Präsidenten Egidius Braun das blamable Abschneiden seiner Nationalmannschaft in Mexiko einkalkuliert. "Wir waren uns voll des Risikos bewusst. Wir hätten auch mit der besten Mannschaft hinfahren können, es wäre nicht besser gelaufen", sagte Braun der Tageszeitung "Die Welt" und fügte an: "Wir haben es getan, ganz bewusst getan, und ich halte den Kopf dafür hin." Dennoch verteidigte Braun erneut die aus sportpolitischen Gründen erfolgte Teilnahme am Konföderationen-Cup. "Was wir da gemacht haben, war vom sportlichen Gesichtspunkt aus absolut falsch. Aber wir mussten abwägen: Was ist für die Zukunft des deutschen Fußballs wichtiger?"

Die Pleite in Mexiko muß nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch die Bundesliga ausbaden: Erschöpft, psychisch angeschlagen und zum Teil sogar verletzt kehrten die Spieler zwei Wochen vor dem Start der Meisterschaft in die Heimat zurück. Kein Wunder daher, dass Manager Uli Hoeneß von Bayern München der Kragen platzte. "Das war doch Beschäftigungstherapie", schimpfte Hoeneß in der Münchner "AZ". Einzige logische Konsequenz für ihn: "Ich gehe davon aus, dass so eine Reise nie wieder vorkommt. Es kann künftig auch kein Trainingslager mehr geben, in dem sich Nationalspieler auf die Saison vorbereiten statt im Verein. Wir lassen unseren Leuten doch nicht in der Nationalelf das Laufen beibringen." Teamchef Erich Ribbeck nahm er ausdrücklich in Schutz: "Ribbeck ist das ärmste Schwein in der ganzen Geschichte. Er wollte nicht nach Mexiko, aber musste. Er hat das Beste daraus gemacht. Man sollte das Thema beenden, die Bundesliga genießen und hoffentlich in Zukunft auch die Nationalmannschaft, nämlich die richtige."

Bayern-Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge kritisierte unterdessen offen einige der in Mexiko weilenden Nationalspieler. "Es gibt zu viel Wehklagen und Entschuldigungen. "Dass man einen Ball nicht unfallfrei stoppen und weiterleiten kann, hat mit Kondition nichts zu tun", sagte Rummenigge dem Fernsehsender SAT.1. Sauer dürften er und Hoeneß auch sein, weil alle drei Bayern-Spieler verletzt zurückkehrten. Lothar Matthäus laboriert an einer Muskelverhärtung im Oberschenkel, Mehmet Scholl an einem Bluterguss in der Wade, Thomas Linke an einer Sprunggelenkverletzung. Lars Ricken von Borussia Dortmund klagt zudem über Leistenbeschwerden.

"Ich werde mit Ottmar Hitzfeld telefonieren und mit ihm sprechen, wie er am besten vorgeht", kündigte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Arzt der Bayern und der Nationalmannschaft, noch vor dem Rückflug aus Mexiko an. Sein Rat: "Die Spieler sollten in den nächsten Tagen nur gut dosiertes Lauftraining absolvieren, um wieder Anschluss zu finden. Wir müssen auch die Reisestrapazen und die Zeitverschiebung berücksichtigen. Sie können noch nicht gleich ins Mannschaftstraining einsteigen."

Diese Empfehlung gibt auch Nationalmannschafts-Internist Wilfried Kindermann. "Die Rückwärts-Akklimatisierung dauert ein paar Tage, die Spieler können noch nicht voll belastet werden. Ihr Akku war ja schon vor der Mexiko-Reise nicht voll. Man hat gesehen, dass, wenn eine deutsche Mannschaft nicht austrainiert ist, sie die fehlende Kraft durch nichts kompensieren kann." Kindermann nennt auch den einzigen positiven Aspekt der völlig verunglückten Reise: "Für die Vereine ist es ein glücklicher Umstand, dass wir so früh ausgeschieden sind. Sie haben ihre Spieler eine Woche früher zur Vorbereitung zurück."

Spekulationen, die Nationalspieler müssten nach ihrer Rückkehr konditionelle Rückstände aufholen, wies DFB-Teamchef Erich Ribbeck allerdings sogleich zurück: "Die Nationalspieler kommen im gleichen Zustand zurück wie die Spieler, die sich zu Hause in ihren Vereinen auf die Meisterschaft vorbereitet haben."

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