Sport : Streit um die Freigabe ausländischer Spieler

Die Vereine berufen sich auf "feste Richtlinien", Russland setzt auf Kooperation: Die vom spanischen Nationaltrainer Ramon Dios ein Jahr vor Olympia gestartete Initiative, die ausländischen Handballer-Nationalspieler zur Vorbereitung auf Sydney für die ersten fünf Spieltage der kommenden Saison aus der Bundesliga abzuziehen, trifft auf breiten Widerstand. "Es ist eindeutig festgelegt, dass die Nationalspieler 30 Tage freigestellt werden müssen, dazu kommen im nächsten Jahr noch 15 Tage für Olympia. Mehr nicht", erklärte Ligachef Heinz Jacobsen. Bundestrainer Heiner Brand hält die Idee für nicht realisierbar: "Ich kann es mir schwerlich vorstellen." Dios war extra zum Supercup nach Berlin angereist, um unter den Auswahltrainern der führenden europäischen Teams für seinen Vorschlag zu werben. Vize-Weltmeister Russland plant aber in Zusammenarbeit mit der Bundesliga die Olympia-Vorbereitung und will eine Konfrontation vermeiden.

Im Gegensatz zu anderen Ligen in Europa trägt die Bundesliga vor den "Millennium-Spielen" zwischen dem 12. und 26. August bereits fünf Spieltage aus. "Wir brauchen 52 Spieltage. 34 für die Bundesliga, zwölf für den Pokal und sechs als Ersatz- beziehungsweise Europacup-Termine. Wenn wir später beginnen, ist das nicht zu schaffen", rechnete Uwe Stemberg, Spielwart im Deutschen Handball-Bund (DHB), vor. Und im Januar 2001, nur vier Monate nach den Olympischen Spielen, findet zudem mitten in der Saison schon wieder die Weltmeisterschaft in Frankreich statt. So sieht das auch Brand: "Wir haben nach einer gemeinsamen Lösung gesucht für den Terminplan. Ich habe das so akzeptiert wie vorgesehen."

Allerdings ist es bei ihm eher die Einsicht in die Notwendigkeit. "Ich fühle mich nicht wohl mit der Tatsache, dass wir nur fünf Tage Vorbereitung haben, bevor wir nach Sydney fliegen. Aber später mit der Bundesliga anzufangen, hieße dann vielleicht, drei Spiele pro Woche. Und irgendwo muss ja auch mal eine Grenze sein", meinte Brand.

Sein Vorgänger als Bundestrainer, Arno Ehret, pflichtet dem bei. Der ehemalige DHB-Sportdirektor und jetzige Trainer des Bundesligisten VfL Gummersbach hält einen späteren Start "der Bundesliga mit ihren 18 Mannschaften für indiskutabel". Ehret: "Die Vereine übernehmen die physische Vorbereitung der Spieler, in der Nationalmannschaft bekommen sie dann den Feinschliff. Das muss genügen." Auch finanzielle Aspekte wie Einnahmeverluste sprechen gegen einen späteren Start der Bundesliga.

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