Streit um Spiele in Berlin : Erst Olympia, dann Paralympia

Erst Paralympics, dann Olympische Spiele oder doch lieber wie bisher? Die Offiziellen halten es mit der Tradition, aber es gibt auch andere Stimmen.

von und
Weitspringer Markus Rehm bei den Paralympics 2012 in London. Foto: dpa
Weitspringer Markus Rehm bei den Paralympics 2012 in London.Foto: dpa

Es war im Bewerbungskonzept als gute Idee gemeint, die Paralympischen Spiele erstmals vor den Olympischen Spielen stattfinden zu lassen. Auch nach der Ablehnung dieses Vorschlags durch die Präsidenten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) und des Deutschen Behindertensportverbands bemüht sich Berlin darum, die Idee von den inklusiven Spielen weiter am Leben zu erhalten. „Wenn wir mit unserem Vorschlag die Debatte um die Wertschätzung der Paralympischen Spiele befördert haben, macht uns das auch stolz“, sagte Andreas Statzkowski, der für den Sport zuständige Staatssekretär im Senat.

Beim IPC in Bonn zeigte sich Pressesprecher Craig Spence am Donnerstag betont versöhnlich. „Mit uns hat aus Berlin im Vorfeld keiner gesprochen. Aber wir gehen davon aus, dass Berlin noch in einer sehr frühen Bewerbungsphase ist.“ Seit 1988 habe „sich der Austragungsrhythmus ,Erst Olympics, dann Paralympics’ bewährt“. Diese Reihenfolge erscheint auch einem der ältesten Unterstützer des IPC und der Paralympics, dem Medizintechnik-Konzern Ottobock, am sinnvollsten. „Dann ist die Logistik erprobt, der Ticketverkauf, die Zeitmessung, und die Menschen werden vom Spirit der Spiele getragen“, sagte Christin Gunkel, in der Geschäftsführung zuständig für die Paralympics. Bei den Veranstaltern der Sommerparalympics in London 2012 sagte Tash Carpenter, man habe „davon profitiert, das Finale eines Sommer des Sports nach Olympia gewesen zu sein“.

ZDF-Experte für alte Reihenfolge

In der internationalen Sportszene ist bekannt, dass das Internationale Olympische Komitee mit seiner „Hauptmarke“ Olympia beginnen will und nicht den Vorhang zu allem schon bei den Paralympics hochziehen möchte. Peter Kaadtmann, beim ZDF langjähriger „Teamchef Paralympics“, sieht zwar aus Fernsehsicht Vorteile darin, alles TV-Equipment schon vor Olympia ausprobieren zu können. „Für die Paralympics selbst ist es aber besser, wenn sie den Begeisterungsschub der Olympischen Spiele mitnehmen und neue Zuschauergruppen erschlossen werden können wie in London und in Sotschi, als bei den Paralympics mehr Zuschauer waren als bei Olympia.“

Es gibt aber auch andere Stimmen. Paralympicsfotograf Buzz Covington aus den USA meint: „Wenn alles professionell geplant ist, würde es keinen großen Unterschied machen.“ Der Paralympia- und Olympiatrainer Bernd Mädler gibt zu bedenken: „Bei den Paralympics hat sich so viel verändert: mehr Medienpräsenz, mehr TV-Übertragungen – warum soll man nicht auch mal über neue Dinge nachdenken?“ Und die deutsche Medaillengewinnerin Kirsten Bruhn sagt: „Beim zweiten Nachdenken dachte ich, warum nicht? Ob es besser, schlechter oder einfach nur anders ist, werden wir, ohne es einmal zu erleben, nie erfahren. Warum nicht mal versuchen?“

Mehr Promotion für Paralympics

Gerhard Janetzky, der Präsident des Berliner-Leichtathletik-Verbands und Inklusionsbeauftragte des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, hält die bestehende Reihenfolge für gut, kann sich aber eine engere Verbindung der beiden Veranstaltungen vorstellen: „Man könnte bei den Olympischen Spielen mehr Promotionwettbewerbe für die Paralympics stattfinden zu lassen, um noch mehr Werbung für sie zu machen.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben