Sport : Streit um Stasi-Akten: "Das ging unter die Gürtellinie"

Ein schnelles und deutliches Dementi zur angeblichen Stasi-Vergangenheit von Borussia Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer hat offenbar nicht alle Beteiligten überzeugt. Während sich der Verein von einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" distanzierte, wollte der von Meyer angeblich ausspionierte Jörg Berger, bis Dezember 1999 Trainer bei Eintracht Frankfurt, die Vorwürfe jedoch nicht entkräften. "Ich war schon sehr enttäuscht, als ich diese Dinge in meinen Stasi-Akten gelesen habe. Das ging unter die Gürtellinie, und ich weiß ja, aus welcher Ecke das kam", sagte Berger. Dass Meyer die Anschuldigungen bestritten hat, ließ Berger unkommentiert.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin berichtet unter Berufung auf Meyers Stasi-Akten, dass der Gladbacher Trainer 16 Jahre lang als "Gesellschaftlicher Mitarbeiter Sicherheit" (GMS) für den Staatssicherheitsdienst der DDR gearbeitet habe. Borussia Mönchengladbach hatte durch den Vereinsjustiziar Christoph Schickhardt bereits am 19. April Einsicht in die Akten seines Angestellten. "Wir sind von der Behörde darüber informiert worden, haben die Akten prüfen lassen und können feststellen, dass Hans Meyer niemals Stasi-Mitarbeiter war", sagte Borussias Präsident Adalbert Jordan.

Auch Meyer, der nach eigenen Angaben noch keinen Einblick in seine Unterlagen hatte, wies die Behauptungen zurück. "Ich bin 1971 von der Stasi zur Mitarbeit aufgefordert worden. Ich habe damals Nein gesagt", sagte der 58-Jährige, der mit seiner DDR-Vergangenheit bislang immer sehr offen umgegangen ist.

Zu dem im "Spiegel" erhobenen Vorwurf gegen Meyer, er habe sich abfällig über den 1979 aus der DDR geflüchteten Jörg Berger geäußert und Details aus dessen Sexualleben verraten, sagte Vereinsjustiziar Schickhardt: "Nach meinen Feststellungen enthält die gesamte Akte keine einzige objektivierbare Information an die Stasi, die auch nur angeblich von Hans Meyer stammt. Auch in dem Verhör durch die Polizei nach Bergers Flucht finden sich keine direkten Äußerungen, Angaben oder Berichte von Meyer."

"Ich finde es ganz übel, dass man auch noch Jörg Berger ins Spiel bringt", sagte Meyer. Er hatte unmittelbar vor Bergers Flucht in einem gemeinsamen Trainingslager engen Kontakt zu seinem Kollegen. Behauptungen, er habe über Bergers Eheleben geplaudert, bezeichnete Meyer als "Lüge". Von den Plänen seines damaligen Assistenten habe er nichts gewusst. Er räumte ein, in einem über dreistündigen Verhör Bergers Leistung eher negativ beurteilt zu haben. "Das habe ich gesagt, damit die von der Stasi keine Befürchtung haben, Berger könnte in der Bundesliga großen Erfolg haben."

Berger hat Meyer bei späteren Treffen nie auf die alte Geschichte angesprochen, weil er hoffte, dass sein Kollege ihm eine Erklärung liefern würde. "Das erwarte ich von ihm", sagte Berger.

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