Streit ums Geld : Berliner Fußball-Verband entlässt langjährige Referenten

Nach einem Streit ums Geld müssen zehn langjährige Ausbilder gehen. Darunter auch Frank Brenner, der 27 Jahre für den BFV arbeitete. Die Stellen werden derzeit neu ausgeschrieben.

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Präsident Bernd Schultz vom Berliner Fußball-Verband spricht von einem "unerfreulichen Briefwechsel".
Präsident Bernd Schultz vom Berliner Fußball-Verband spricht von einem "unerfreulichen Briefwechsel".Foto: Kai-Uwe Heinrich

Personeller Kahlschlag beim Berliner Fußball-Verband (BFV). Der Verband hat sich zum 31. März von rund einem Dutzend seiner Referenten getrennt. Damit ist vor allem die Trainerausbildung und die Fortbildung in verschiedenen Bereichen empfindlich getroffen. Die Experten, die auf Honorarbasis gearbeitet haben, waren in diesen Bereichen eingesetzt und haben zum Beispiel Kinder- und Jugendtrainer ausgebildet.
Zu den Betroffenen gehören unter anderem: Holger Kraft, Stützpunktrainer des Deutschen Fußball-Bunds in Tegel, beim BFV eingesetzt als Prüfer in der Trainerausbildung; Thomas Reif, der die gesamte Torhüterausbildung leitete; Oliver Heine, der in der Ausbildung von B-Lizenz-Trainern gearbeitet hatte; Frank Brenner, Reha- und Athletiktrainer und Osteopath, eingesetzt in der Trainerausbildung im Athletikbereich; Thomas Mücke, Referent für Anti-Gewalt-Training; Marius Purschke, Prüfer und Trainer-Ausbilder. Nach Informationen des Tagesspiegels darf Brenner überhaupt nicht mehr für den BFV arbeiten. Er fungierte auch als Physiotherapeut bei Kinder- und Jugendauswahlmannschaften und als Athletiktrainer für Futsal. Er war 27 Jahre für den BFV tätig.
Hintergrund dieses drastischen Schrittes ist Streit ums Geld. 18 Referenten des BFV unterschrieben Anfang März einen Brief an den Verband, in dem sie die aus ihrer Sicht geringen Honorare thematisieren. Nach Angaben eines Referenten bezahlt der BFV für eine 45-Minuten-Einheit brutto 15 Euro, netto rund acht Euro.
In dem Brief, sagte ein Referent, habe man den Verband um ein Gespräch über Honorare gebeten, ohne eine konkrete Forderung zu erheben. Allerdings hätten die Unterzeichner auch mitgeteilt, dass sich jeder von ihnen vorbehalte, individuell Konsequenzen zu ziehen, sollte es zu keinem Gespräch kommen.
Bernd Schultz, der Präsident des BFV, empfand diesen Brief allerdings nicht als Aufforderung zu einem konstruktiven Dialog. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sprach er von „einem unerfreulichen Schriftverkehr, der uns veranlasste, die Zusammenarbeit zu beenden“. Allerdings sind von dem Schritt nicht alle Unterzeichner betroffen. Ein Teil von ihnen erhält offenbar eine weitere Chance, so sieht es jedenfalls der BFV. Die Unterzeichner hatten schon 2014 schriftlich um eine Erhöhung ihrer Honorare gebeten. Daraufhin, so ein Referent, habe der BFV den Satz von 13 auf 15 Euro brutto angehoben.
Die Trennung von den Referenten ist vor allem qualitativ ein Problem. Alle Experten haben eine A-Lizenz und sind auf ihren Gebieten renommiert. Der langjährige Torhüter-Ausbilder Thomas Reif etwa, von Beruf Lehrer, wird auch wegen seiner pädagogischen Fähigkeiten geschätzt. Ein langjähriger Jugendtrainer sagte: „Ich bin erschüttert über diese Entscheidungen. Reif hat ein angenehmes Auftreten und ist hochkompetent.“
Gerade weil es sich um so langjährige Mitarbeiter handelt, räumte BFV-Chef Schultz ein, sei er „persönlich enttäuscht“ gewesen. Die Stellen werden derzeit neu ausgeschrieben. Schultz sieht keine Probleme, die Abgänge adäquat zu ersetzen. „Ich kenne den Bewerberkreis noch nicht, aber wie ich gehört habe, ist man sehr zuversichtlich“, sagte er.

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