Sport : Streiten und siegen

Thomas Brdaric entzweit Wolfsburgs Klubführung

Christian Tretbar

Es war eine Geste der Versöhnung. Minutenlang feierten Thomas Brdaric und seine Kollegen mit ihren Fans den ersten Auswärtssieg seit September. Doch dann verharrte der Stürmer des VfL Wolfsburg einen Moment länger als seine Mitspieler in der Wolfsburger Fankurve, streifte sein Trikot ab und überreichte es einem Fan. Dabei reckte er seinen Zeigefinger mahnend nach oben, so als wollte er ihm sagen: „Aber bitte zerreiß es nicht gleich wieder, wenn ich das Tor beim nächsten mal nicht treffen sollte.“

Beim 2:0-Sieg in Mainz hat Brdaric seinen zehnten Saisontreffer erzielt, und es muss eine echte Genugtuung für ihn gewesen sein. Denn unter der Woche hatte er seinem Ärger über den VfL noch ordentlich Luft gemacht. Wie eine Sau, die durchs Dorf getrieben werde, habe er sich gefühlt. Er witterte eine Kampagne gegen ihn und sprach gar davon, es bereut zu haben, nach Wolfsburg gekommen zu sein. In Mainz schlug der Stürmer andere Töne an: „Es freut mich für die Mannschaft, und ich selbst kämpfe immer für den Verein, dessen Wappen ich auf der Brust trage.“

Trainer Erik Gerets hatten die misslichen Töne der vergangenen Woche überhaupt nicht gefallen, und deshalb wollte er Brdaric gegen Mainz zunächst auf der Bank lassen. Wer oder was ihn dann doch bewogen hat, Brdaric in die Anfangsformation zu stellen, wollte der Wolfsburger Trainer nicht verraten. „Das sind Interna“, sagte er knapp. Wahrscheinlich hatte wieder einmal Manager Thomas Strunz interveniert. Dieser dementierte das zwar, sagte aber auch, dass „wir unter der Woche viel geredet haben“. Am Samstagvormittag traf sich Strunz noch mit Brdaric’ Berater Becker zu einem Sondierungsgespräch. Und das Gespräch muss gut verlaufen sein, denn Strunz lobte Brdaric nach dem Sieg gegen Mainz in den höchsten Tönen: „Das war nicht nur wegen des Tores ein sehr gutes Spiel von Thomas. Wir werden weiter mit ihm planen, denn er ist ein wichtiger Spieler für uns.“

Erik Gerets wollte sich so deutlich nicht äußern. „Brdaric war einer von elf Spielern, die sich bemüht haben“, sagte er und sah dabei nicht wie ein Trainer aus, der begeistert war vom Auftreten seiner Mannschaft. Der Streit um Thomas Brdaric ist da wohl nur eine Projektionsfläche für das angespannte Verhältnis zwischen Gerets und Strunz.

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