Sport : Streitende Dinsosaurier

Moculescu und Niroomand arbeiten für den deutschen Volleyball – und meist gegeneinander

Karsten Doneck

Berlin – Die beiden Männer haben durchaus Gemeinsamkeiten. Manchmal allerdings eher zufällig. So ist von Stelian Moculescu bekannt, dass er mit Leidenschaft Golf spielt. Für Kaweh Niroomand war das jedoch von keinerlei Bedeutung, als er kürzlich für eine Woche nach Tunesien flog, um seinerseits das Golfspiel zu erlernen. Moculescu und Niroomand teilen aber auch noch die Zuneigung zu einer anderen Sportart: Volleyball. Moculescu ist Trainer des VfB Friedrichshafen und der deutschen Männer-Nationalmannschaft, Niroomand managt den SC Charlottenburg, den Bundesliga-Erzrivalen der Friedrichshafener, zugleich Ausbildungszentrum für das Nationalteam. Doch spätestens an diesem Punkt beginnt das Trennende. „Es ist doch allgemein bekannt, dass sich die beiden nicht grün sind“, sagt Bernd Hummernbrum, Manager beim VfB Friedrichshafen. Bisheriger Höhepunkt in dem Konflikt unter Männern: Unlängst trat Niroomand mit der Forderung an die Öffentlichkeit, Moculescu möge doch wegen Erfolglosigkeit als Bundestrainer zurücktreten. Stelian Moculescu nahm die Aussage zur Kenntnis, nahezu reaktionslos. „Das kommentiere ich nicht“, sagt er.

Die ständigen Streitigkeiten mit Niroomand mögen ihm nahe gehen, aber er schluckt sie, nach außen hin verbreitet er kühles Desinteresse: „Mir ist die Sache einfach zu dumm.“ Vergiftet ist das Klima zwischen Niroomand und Moculescu seit Jahren. Wer da den ersten Stein geworfen hat? Für Moculescu keine Frage: „Schauen Sie sich doch an, was passiert ist in dieser Zeit. Das lässt sich doch belegen. Ich habe nie etwas gegen ihn gesagt. Der zettelt das immer wieder an.“

Niroomand ging schon häufiger mal verbal auf Moculescu los, kritisierte hier, nörgelte dort an dem gebürtigen Rumänen herum. Selten glitten seine Angriffe ins Persönliche ab, stets monierte er Volleyball-Fachliches. „Ich habe nichts gegen ihn als Person. Da habe ich eher ein Null-Verhältnis zu ihm“, sagt Niroomand. Warum dann diese kleinen und manchmal großen Sticheleien? Einen konkreten Auslöser hat es offenbar nie gegeben. Niroomand sagt eher allgemein-unverbindlich: „Wir befinden uns einfach seit Jahren immer auf der anderen Seite des Tisches, immer in einer Konkurrenzsituation.“

In Friedrichshafen lässt man auf den Trainer nichts kommen. Auch wenn der VfB selbst zuletzt mit Moculescu zweimal nur Vizemeister wurde, beim Kampf um den Titel pikanterweise dem SCC den Vortritt lassen musste. „Er arbeitet wie kein anderer und erkennt genau, wo er beim Techniktraining den Hebel ansetzen muss. Außerdem kann er aus vielen verschiedenen Charakteren ein Team formen“, lobt VfB-Manager Hummernbrum. In der achten Saison trainiert Moculescu jetzt schon den VfB, seit 1998 ist er für die deutsche Männer-Nationalmannschaft zuständig.

Niroomand und Moculescu haben zweifellos ihre Verdienste um den deutschen Volleyball, jeder in seinem Bereich. „Wir beide sind irgendwie die Dinosaurier im deutschen Volleyball, wir haben beide reichlich getan, um diesen Sport hier zu Lande voranzubringen, seit 20 Jahren schon“, sagt Niroomand. „Ich weiß, was ich getan habe für den Volleyball, und ich denke, wir sind insgesamt immer noch auf einem guten Weg“, ergänzt Moculescu. An einen späten Friedensschluss mit Niroomand, um in Zukunft gemeinsam den Volleyball erfolgreicher als bisher über die Netze zu schmettern, glaubt Stelian Moculescu indes nicht mehr. „Ich kann doch nicht hingehen und mich mit ihm versöhnen, wenn ich gar nichts gegen ihn gesagt habe.“ Da scheint dann eben auch das gemeinsame Interesse der beiden am Golfspiel nichts zu nützen.

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