Sport : Stress und Strafrunden

Die deutschen Biathletinnen werden in der Staffel nur Fünfte

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Kontiolahti (Tsp). Das Bild mutete seltsam an. „Beim Stehendschießen bin ich nicht zur Ruhe gekommen“, sagte Uschi Disl. „Da hat es mich hin und hergehauen wie einen Kuhschwanz.“ Nun ist die Bayerin bekannt für ihre rustikalen Statements. Und im Tenor lag Disl wohl nicht daneben. Die Frauen enttäuschten in der 4 x 6-km-Staffel beim Weltcup im finnischen Kontiolahti, und da war Ursachenforschung durchaus angesagt. Am Tag nach ihrem dritten Platz im Sprintrennen leitete ausgerechnet Disl als zweite Läuferin die deutsche Pleite mit vier Strafrunden ein. „Mir haben so die Knie gezittert. Ich habe sogar Kniebeugen versucht, aber nichts hat geholfen.“

So hatten die deutschen Biathletinnen durch sechs Strafrunden nach ungewohnt vielen Fehlschüssen die WM-Staffelrevanche verpatzt. Beim überraschenden Sieg von Norwegen vor Weltmeister Russland belegten Simone Denkinger (Gosheim), Uschi Disl (Moosham), Katrin Apel (Frankenhain) und Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) in Kontiolahti auf der 4 x 6-km-Distanz nur Rang fünf. „Mit so vielen Fehlern gehört man weiter vorne auch nicht hin. Das war doch nicht normal“, sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang. „Es war wirklich nicht das, was man sich unter einem tollen Staffel-Einstand vorstellt“, sagte auch Katrin Apel. „Aber wir müssen uns jetzt nicht eingraben, sondern es beim nächsten Mal einfach besser machen.“

Dabei hatte das Rennen gut begonnen. Simone Denkinger hatte als Startläuferin für eine erstklassige Ausgangsposition gesorgt. „Ich hatte schon am Morgen ein gutes Gefühl, und als ich im Ziel als Erste an Uschi übergeben konnte, habe ich mich riesig gefreut“, sagte die ehemalige Junioren-Weltmeisterin über ihr bislang bestes Staffelrennen. Lob bekam sie auch von Trainer Müssiggang: „Man merkt, dass Simone langsam mehr Routine bekommt. Sie strahlt einfach Ruhe aus.“

Nachdem Disl von der Spitzenposition wegen schlechter Schussergebnisse zwischenzeitlich auf den sechsten Platz zurückgefallen war, scheiterten Katrin Apel und Kati Wilhelm am Druck, beim Schießen unbedingt schnell und sicher treffen zu müssen. Beide leisteten sich jeweils eine weitere Strafrunde und vergaben so die Chance, doch noch im Kampf um die ersten drei Plätze eingreifen zu können. Am Ende lagen die Frauen trotz aller Patzer nur 29,4 Sekunden hinter den siegreichen Norwegerinnen.

„Schlechter als heute kann es nicht laufen. Wir werden jetzt nicht aufeinander böse sein, sondern versuchen, die Fehler abzustellen“, sagte Wilhelm. Die Thüringerin gab aber auch zu, dass der Kampf um die vier Staffel-Startplätze bei der WM im heimischen Oberhof eröffnet ist. Die diesmal von Müssiggang nicht berücksichtigte Weltcup-Titelverteidigern Martina Glagow (Mittenwald) dürfte im nächsten Rennen in einer Woche als vermeintlich beste deutsche Schützin ihre Chance erhalten.

Heute müssen sich die Männer in der 4 x 7,5-km-Staffel (10.30 Uhr, live in der ARD) beweisen. Nach dem verkorksten Saisonstart, bei dem sich im Sprintrennen kein einziger deutscher Läufer unter den besten zehn platzieren konnte, vertraut Bundestrainer Frank Ullrich auf sein bewährtes Staffel-Weltmeister-Quartett mit Ricco Groß (Ruhpolding), Sven Fischer, Peter Sendel und Frank Luck (alle Oberhof).

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