Sport : Studententruppe mit zu vielen Indianern

Nach dem Pokal-Aus wackelt Spandaus Dominanz im Wasserball – Routinier Mackeben übt heftige Kritik

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Berlin – Sören Mackebens Stimme klingt leise und schwermütig. Anscheinend eine Nachwirkung des Pokal-Aus der Wasserfreunde Spandau 04 in Duisburg. Das 5:6 im Viertelfinale war die erste Niederlage gegen einen nationalen Konkurrenten seit dem 28. Mai 2008. Damals hatte der Gegner des Sonnabends, der ASC Duisburg, das Auftaktmatch der Finalserie um die deutsche Meisterschaft gegen den Souverän aus der Hauptstadt mit 9:7 gewonnen, den Titel dann aber nach den folgenden drei Niederlagen dennoch klar verpasst. „Nein, nein“, bestreitet der 31-jährige Ex-Nationalspieler diesen Schluss. „Ich habe meinen schlafenden anderthalbjährigen Sohn auf dem Arm, und der hat 40 Grad Fieber.“ Mitgenommen freilich habe ihn die Pleite schon, gibt er zu. Mehr noch aber habe sie ihn geärgert – weil es gewissermaßen ein Ausrutscher mit Ansage war.

6:5 hieß es am Ende für die Gastgeber, eine Überraschung auf jeden Fall, wenn nicht gar eine Sensation. Denn in den beiden Bundesliga-Partien der Saison hatten die Wasserfreunde nach Lust und Laune dominiert, 13:5 in Duisburg und 16:9 daheim gesiegt. „Der ASCD hat geschickt agiert, war gut eingestellt, hat das Tempo rausgenommen und unsere Konter unterbunden. Und wir waren nicht präsent“, lautet Mackebens Analyse. „Wir haben zu viele Mitläufer, zu viele Indianer und kaum Häuptlinge. Das ist eine Grundsatzkritik, die sich auf die ganze Saison bezieht.“

Im Europacup-Halbfinale gegen Cattaro (Montenegro) ausgeschieden, im nationalen Pokal gegen den ASCD – jetzt hat Spandau nur noch eine Titelchance, die in der Meisterschaft. „Ich denke, dass die Mannschaft bisher nicht oft an ihrem Limit gespielt hat, aber nicht, weil sie zu dumm oder zu schlecht ist“, sagt Mackeben und kritisiert damit entsprechende Aussagen von Klubchef Hagen Stamm.

Es sei anerkennenswert, dass eine Truppe aus Studenten und ein paar Sportsoldaten überhaupt noch halbwegs international wettbewerbsfähig sei, sagt Mackeben. „Aber wenn man nicht bereit ist, mehr zu investieren und sich punktuell zu verstärken, dann ist es einfach unfair gegenüber den Spielern, so zu tun, als habe der Verein alles bereitet, nur die Spieler seien zu dumm, etwas daraus zu machen.“

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