Sport : Stürmer, verweht

Herthas Trainer Hans Meyer trifft die erste Personalentscheidung und sortiert Fredi Bobic aus

Michael Rosentritt

Berlin. Er war bislang einer der lautesten Spieler im Team. Und einer der Selbstbewusstesten. „Ich bin mir sicher, dass ich spiele“, sagte Fredi Bobic noch vor zwei Tagen im Tagesspiegel-Interview. Jetzt spielt er nicht. Stürmer Bobic wurde am Freitag aus der Stammelf des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC aussortiert. „Fredi Bobic wird in Bremen nicht beginnen“, sagte Trainer Hans Meyer eine Woche vor dem Rückrundenstart beim Tabellenführer. Anschließend machte sich der für fünf Monate engagierte Coach auf den Weg zur Mannschaft, mit der er „ein paar Dinge“ zu besprechen hatte.

Man tut Fredi Bobic nicht Unrecht, wenn man davon ausgeht, dass ihn diese Nachricht überrascht haben dürfte. Der 32-jährige Nationalstürmer war sich sicher, dass er zur Stammelf gehört. Im Trainingslager beschrieb er das so: „Das merkt man einfach. Ich sehe, dass wir Fortschritte machen. Und Hans Meyer weiß, welche Qualitäten ich habe.“ Wenn es nicht laufen sollte, werde es zwar „Opfer“ geben, hatte Bobic gesagt, aber nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass es ihn als ersten Spieler trifft. „Gehen Sie mal davon aus, dass Fredi Bobic einige Sachverhalte nicht so kritisch sieht wie ich“, entgegnete Meyer am Tag danach. Bobic wollte sich kurz darauf nicht äußern: „Kein Kommentar“, sagte der Nationalspieler.

Heute wird Hertha ein letztes Testspiel vor dem Rückrundenauftakt am 31. Januar in Bremen bestreiten. Zum Spiel beim Zweitligisten Karlsruher SC nimmt Meyer 18 Spieler mit. Das werden im Wesentlichen die sein, mit denen Herthas Trainer in den verbleibenden 17 Bundesligaspielen den Abstieg zu verhindern glaubt. Neben den verletzten Spielern verzichtet Meyer beim KSC auf Hartmann, Cagara, Ludwig und eben Bobic, obwohl sie alle einsatzfähig sind. Dazu fehlt Nando, weil er zum Hinrundenabschluss in Köln die Rote Karte sah und deswegen für den Rückrundenauftakt in Bremen gesperrt ist. Bobic habe von Meyer relativ viele Chancen bekommen, sich im zehntägigen Trainingslager auf Gran Canaria zu empfehlen. „Mit dem, was er geboten hat, kann ich nicht zufrieden sein“, sagte Meyer. Es gehe nicht nur um Tore, die Bobic nicht schoss. Ihm fehle es an „Frische und Dynamik“ sowie an „ein, zwei anderen Dingen, die zum Fußball dazu gehören“. „Er passt nicht in mein System“, sagte der Trainer. Detaillierter mochte Meyer nicht werden.

Der Trainer widersprach anschließend dem Eindruck, dass seine überraschende Maßnahme einer Verbannung gleich- komme. „Es wird kein Spieler von mir verbannt“, sagte Meyer. Eine Woche später im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart könne alles wieder ganz anders aussehen. Beim KSC wird Luizao eine Chance erhalten. Der brasilianische Stürmer, der lange Zeit nicht richtig mittrainieren konnte, könnte zur Nummer zwei in der internen Stürmerhierarchie aufrücken. Die Nummer eins ist Nando Rafael. „Er wäre gesetzt bei mir“, sagte Meyer, „leider ist er für zwei Spiele gesperrt. Deswegen fährt er nicht mit zum KSC.“

Fredi Bobic ist bei den Planungen erst einmal außen vor. Dennoch verdiene er es, dass man mit ihm „ordentlich spricht“ und ihm erklärt, warum die Entscheidung so gefallen sei. „Das werde ich nicht bis zum Spieler 28 machen“, sagte Meyer. Er habe einen „Riesenrespekt“ vor der Karriere von Fredi Bobic – „er ist schon einmal Meister geworden, spielt in der Nationalmannschaft“ – doch das alles „kann nicht meine Meinung übertünchen, dass er uns mit seiner momentanen Leistung nicht helfen kann“. Auf die Frage, ob es Meyer allein um sportliche Belange ging, antwortete der Trainer: „Meine Achtung ihm gegenüber ist zu groß, ihn aus subjektiven Gründen nicht zu bringen.“

Im Tagesspiegel hatte Meyer einen Tag vor dem Trainingslager auf den Kanaren angedeutet, worum es ihm in den vielen, intensiven Einzelgesprächen mit allen Spielern gegangen sei. Er wollte herausfinden, welche Rolle der eine oder andere Profi spielt. „Und dann kriegst du mit, dass jemand, von dem du denkst, dass er mittendrin ist, völlig außerhalb der Mannschaft steht – dass niemand mit ihm spielen will.“ Wer das ist, hatte Meyer damals nicht erzählt. Seit gestern ist es kein Geheimnis mehr.

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