Sport : Stürmisch gescheitert

Werders 1:0 gegen Glasgow reicht nicht für das Viertelfinale im Uefa-Cup

Frank Hellmann[Bremen]

Auch an der Weser sind Wunder nicht beliebig: Werder Bremen hat zwar am gestrigen Abend ein ansehnliches Europapokal-Spiel geboten, doch das Ausscheiden im Achtelfinale des Uefa-Cups bei einem fast 90-minütigen Sturmlaufs nicht verhindert. Denn trotz zahlreicher Chancen langte es gegen den schottischen Meister Glasgow Rangers nur zu einem 1:0-Erfolg. Diegos Siegtor war zu wenig nach dem 0:2 im Hinspiel vor einer Woche im Ibrox-Park.

„Wir brauchen uns nicht zu beschweren. Wir haben die Chancen gehabt und haben auch gut gespielt, aber wir machen die Tore nicht“, sagte Trainer Thomas Schaaf. „Dennoch ein großes Kompliment nach all den Belastungen in dieser Saison. Aber unter dem Strich muss man festhalten: Wir haben es nicht geschafft.“ Torschütze Diego sagte enttäuscht: „Ich kann mich nicht an ein Spiel erinnern, in dem wir so überlegen waren und es trotzdem nicht geschafft haben.“

Nein, es hat nicht gereicht für ein neues Wunder. Legendäre Europapokal-Abende wie gegen Spartak Moskau (1987, 6:2), Dynamo Berlin (1988, 5:0), RSC Anderlecht (1993, 5:3) oder Olympique Lyon (1999, 4:0) lassen sich nun mal nicht auf Knopfdruck reproduzieren. Das Bemühen vor 33 660 Zuschauern im Weserstadion um eine Wiederholung besagter legendärer Partien war Werder nicht abzusprechen, indes stand abermals das Ergebnis in keinem Verhältnis zum betriebenen Aufwand. Schon nach einer Halbzeit schlugen 9:0 Ecken und 8:0 Chancen zu Buche, aber noch kein Tor. Markus Rosenberg, Hugo Almeida, Tim Borowski, Daniel Jensen und Patrick Owomoyela scheiterten bei ihren Chancen an den eigenen Nerven oder an Glasgows vorzüglichem Torhüter Allan McGregor.

Phasenweise spielte Werder variantenreich, kombinierte vielfach über mehrere Stationen, griff mit Verve und Courage an, so dass den Schotten oft gar nichts anderes einfiel, als den Ball sinnfrei ins Seiten- oder Toraus zu bolzen. Doch die Abschlussschwäche zog sich wie ein roter Faden durchs grün-weiße Vorwärtsspiel, ehe der in der Liga noch gesperrte Diego seinen lichtesten Moment hatte: Der Brasilianer legte sich den Ball vom rechten auf den linken Fuß und jagte ihn dann von der Strafraumgrenze aus in die rechte Torecke. Dieses 1:0 nach einer knappen Stunde beflügelte Werder noch mehr. Trainer Thomas Schaaf schickte den ausgeruhten Stürmer Boubacar Sanogo auf den Platz, und die Ranges kamen kaum noch aus ihrer Spielhälfte heraus. Sanogo war es, der fünf Minuten vor Schluss die große Chancen zum 2:0 vergab: Freistehend drosch er den Ball an die Latte, McGregor hatte noch die Fingerspitzen dran. Tapfer verteidigend und gewiss auch ein bisschen glücklich retteten sich die Rangers in die nächste Runde.

Konterkariert blieb damit das Unterfangen der Bremer, sich internationale Reputation im EM-Jahr zu verschaffen. Schon in der Runde der letzten 16 im Uefa-Cup zu scheitern, ist nicht der Anspruch, den ein Verein wie den SV Werder hegt, der in diesem Wettbewerb im Vorjahr immerhin bis ins Halbfinale kam. Binnen nicht einmal zwei Monaten hat Werder das Ausscheiden im DFB-Pokal, das Aus im Uefa-Cup und wohl auch den entscheidenden Rückschlag in der Meisterschaft zu verkraften.

Wie wird die Mannschaft damit im Bundesliga-Alltag umgehen? Sportchef Klaus Allofs redet längst nicht mehr vom Titel, sondern nur davon, die für Werder so wichtige Champions-League-Qualifikation abzusichern. Der nächste Versuch, im bislang eher durchwachsenen Jahr 2008 wirklich Besserung herbeizuführen, findet bereits am Sonntag im Weserstadion statt. Zu Gast ist dann der erstarkte VfL Wolfsburg.

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