Sport : Stürmische Hoffnungen

Die US-Profiliga der Fußballerinnen ist pleite – nur ein Boom bei der WM kann sie noch retten

Matthias B. Krause

New York . Die Organisatoren der Frauenfußball-Weltmeisterschaft müssen langsam glauben, ihr Unternehmen stehe unter einem bösen Fluch. Zunächst zwang sie der Ausbruch der Lungenkrankheit Sars, das Turnier von China in die USA zu verlegen. Dann verkündete die US-Profiliga der Frauen, Wusa, sechs Tage vor WM-Beginn ihr Aus. Und nun droht der Hurrikan Isabel, den Zeitplan durcheinander zu wirbeln. Wenn die Wetterprognosen Recht behalten, wird der tropische Wirbelsturm südlich der Hauptstadt Washington auf die Küste North Carolinas treffen und dann in einem großen Bogen nach Kanada abziehen.

200 000 Menschen in den USA wurden bereits evakuiert, die Fußballerinnen des schwedischen Teams verbrachten fast mehr Zeit mit Notfall-Übungen als mit dem Training. „Wir hatten einen Sicherheitskurs und haben alles über Wirbelstürme gelernt“, berichtet Mannschaftsbetreuerin Cecilia Sandell. Schweden trifft am Sonntag in Washington auf Titelverteidiger USA. Noch stärker gefährdet sind die beiden Partien am Samstag in Philadelphia, Frankreich gegen Norwegen und Nigeria gegen Nordkorea. Selbst wenn das Sturmzentrum in relativ weiter Entfernung vorüberzieht, bleibt die Frage, wie viel Aufräumarbeit verrichtet werden muss. Es drohen sintflutartige Regengüsse.

Langfristig allerdings schmerzt den US-Verband schon jetzt die Pleite der Wusa. Drei Jahre nach ihrer Gründung fehlen der Liga 30 Millionen Dollar. „Wir haben nicht einmal genug Bargeld, um den Betrieb noch 24 Stunden aufrechtzuerhalten“, verkündete Liga-Chef John Hendricks. „Sonst würden wir einen Sozialplan für unsere Angestellten gefährden.“ Dabei ist Frauenfußball in den USA durchaus populär. 300 000 Mädchen spielen in der Schule Soccer, die College-Meisterschaft lockt alljährlich. Vor vier Jahren brachte es die WM im eigenen Land auf 40 Millionen TV-Zuschauer.

Auf dieser Welle hoffte die Wusa zu schwimmen. „Ich war hypnotisiert von dem, was ich bei der WM 1999 sah. Von all den Sponsoren, die da mitgemacht haben, hatte ich fälschlicherweise angenommen, würden auch viele unsere Liga unterstützen“, sagt Liga-Gründer Hendricks. Doch neben den vier großen Männer-Profiligen im Football, Baseball, Basketball und Eishockey ist es in den vergangenen Jahren den Frauen kaum gelungen, eine Profiliga zu etablieren. Vor der Wusa stellten bereits die American Basketball League (ABL) und die Women’s Professional Softball League (WPSL) den Spielbetrieb ein. Damit hat lediglich die Profiliga der Frauen im Basketball (WNBA) überlebt - weil sie am Tropf der mächtigen und Gewinn bringenden National Basketball League (NBA) hängt. Die garantiert ihr zudem Zugang zu Sponsoren, welche die Frauen-Basketballer sonst wohl nie erreichen würden. So hätte es vielleicht auch im Fußball gehen können, doch Frauen und Männer entschieden sich, getrennte Wege zu gehen. Die Major League Soccer (MLS) steht nach eigener Auskunft mittlerweile halbwegs gesund da, die Pleite der Frauen sei in seinen Augen kein grundsätzliches Zeichen für den Zustand des Fußballs in den USA, sagt MLS-Chef Don Garber: „Wir wachsen so schnell wie eh und je.“

Nun hat Ligen-Chef Hendricks noch die Hoffnung, die Wusa mit Hilfe eines WM-Booms zu retten. Denn an Aufmerksamkeit mangelt es den US-Frauen nicht. Die Zeitungen berichten ausführlich, das Fernsehen überträgt alle Partien der USA live und landesweit, ab dem Achtelfinale sogar das gesamte Turnier. Flügelstürmerin Mia Hamm schaffte es sogar auf Seite eins von „Sports Illustrated“. Allerdings mit einem zwiespältigen Titel: „Der widerwillige Superstar“.

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