Sport : Stürmische Verteidiger

Warum die Eisbären Quint und Roach so viel spielen

Katrin Schulze

Berlin - Im Eishockey wird fliegend gewechselt. In der Regel jedenfalls. Wenn es um die Einsatzzeiten von Deron Quint geht, dann allerdings hat man den Eindruck, die Eisbären könnten seine Auswechslung so gemächlich ankündigen wie im Fußball. Mit einer Tafel, die allen Zuschauern eindeutig vermittelt, dass die Spielzeit abgelaufen ist. So selten geht die Nummer 2 der Berliner vom Eis. Überzahl, Unterzahl, fünf gegen fünf und Tore schießen – das alles fällt in den Aufgabenbereich des nominellen Verteidigers.

Für Quint selbst sind seine vielen Eiszeiten aber kein Problem. „Ich denke nicht, dass es zu Lasten der Kondition geht“, sagt er. Schließlich spielen die Verteidiger in der National Hockey League (NHL) manchmal sogar über 30 Minuten. „Und dort beschwert sich niemand.“ Mit demselben Argument verteidigt sich auch sein US-amerikanischer Kollege aus der Eisbären-Abwehr, Andy Roach. Er bekommt ähnliche viele Einsätze wie Quint. Beide haben sie früher in der NHL gespielt, mit unterschiedlichem Erfolg. Roach machte gerade fünf Spiele, Quint immerhin 463, die letzten fünf davon für die New York Islanders in der vergangenen Saison, nachdem die Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bereits in der Play-off-Qualifikation ausgeschieden waren. „Bei den Eisbären kann ich viel offensiver agieren als in der NHL“, sagt Quint.

Trotzdem mussten sich Quint und Roach in dieser Saison auf eine Spielweise einstellen, die sich nicht nur von der NHL, sondern auch von der des ehemaligen Berliner Trainers Pierre Pagé unterscheidet. „Zum Anfang war es etwas schwierig, sich daran zu gewöhnen“, sagt Roach. Unter Don Jackson gebe es nämlich keine „klar definierten Rollen“, jeder müsse jede Position spielen können. Und so wirbeln die Verteidiger auffallend oft vor dem Tor des Gegners – wie ihre Kollegen aus dem Sturm. Sie bieten sich offensiv an, sollen aber gleichzeitig Tore verhindern. Kann das funktionieren?

Zu Beginn der laufenden Saison schienen die Spieler das System Jackson noch nicht verinnerlicht zu haben. Da verweigerte ihr Trainer nach einer desolaten Abwehrleistung gegen die Düsseldorfer EG schon mal „jegliche Aussage zu diesem Teil der Mannschaft“. Mittlerweile redet Jackson wieder gerne über die Abwehrspieler: „Ich bin sehr zufrieden mit ihnen, vor allem im Powerplay sind Deron und Andy Schlüsselspieler.“ Und da trifft besonders Quint oft: Seine statistischen Werte lesen sich wie die eines Stürmers. In der Scorerliste der Eisbären belegt er den dritten Platz. Elf Tore hat er nach rund der Hälfte der zu absolvierenden Hauptrundenspiele bereits geschossen, nur Kapitän Steve Walker und Stürmer Denis Pederson können mehr aufweisen.

Auch Roach liegt mit acht Toren und 15 Vorlagen auf einem vorderen Platz. Ihr offensives Talent zeigten Roach und Quint auch am Freitag beim 7:5-Sieg der Eisbären in Iserlohn: Mit drei Toren trugen sie maßgeblich zum Erfolg der Mannschaft bei. Auch im heutigen Spitzenspiel der DEL gegen Mannheim (14.30 Uhr, Sportforum) werden Quint undRoach wohl wieder als stürmende Verteidiger auftreten. Und den Platz auf der Auswechselbank nur selten in Anspruch nehmen.

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