Sport : Stürmischer Verteidiger

John Gruden schießt die Eisbären mit zwei Toren zum 3:2-Sieg im dritten Play-off-Spiel gegen die Hamburg Freezers

Claus Vetter

Berlin. John Gruden wirkte nicht wie ein Eishockeyprofi, der gerade ein Erfolgserlebnis hinter sich hatte. Der US-Amerikaner stützte sich an einem Schild an der Bushaltestelle vor der Deutschlandhalle ab und blickte erschöpft umher. Viel war ja nicht mehr übrig geblieben von der großen Kulisse, die noch eine halbe Stunde zuvor für den Besucherrekord im Berliner Eishockey gesorgt hatte. 8622 Zuschauer wollten gestern das dritte Viertelfinale des EHC Eisbären gegen die Hamburg Freezers in der ausverkauften Deutschlandhalle sehen. Und sie wurden nicht enttäuscht, was auch an Gruden lag. Der Kapitän, der sich als Verteidiger eigentlich anderen Aufgaben widmet, schoss die beiden entscheidenden Tore zum 3:2 (1:1, 0:1, 2:0)-Sieg der Eisbären. Die Berliner führen somit in der nach dem Modus „Best of seven“ gespielten Play-off-Serie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 2:1.

Vielleicht war Gruden auch so geschafft, weil er wusste, dass er und seine Kollegen kein gewaltiges Spiel hingelegt hatten und die Stimmung in der vollen Arena daher eher mittelprächtig war. „Wir müssen endlich über 60 Minuten gut spielen“, sagte Gruden. „Sonst werden wir es noch schwer haben, die Freezers kämpfen um ihr Leben.“ Eisbären-Trainer Pierre Pagé interpretierte das Hamburger Spiel weniger positiv: „Das war altmodisches Eishockey.“

Schwungvoll hatten die Berliner auch begonnen – und nach 17 Minuten doch das 0:1 durch Markus Schröder kassiert. Zwar erzielte Rob Shearer wenig später den Ausgleich, doch danach lief nur wenig zusammen. 82 Sekunden hatten die Eisbären sogar zwei Spieler mehr auf dem Eis, doch das nächste Tor schossen die Hamburger durch ihren Nationalspieler David Sulkovsky. Dabei blieb es bis zur 46. Minute, als die Eisbären wieder eine 5:3-Überzahl zugesprochen bekamen. Diesmal stellten sie sich geschickter an. Gruden schoss das 2:2, und nur 145 Sekunden später erzielte der überragende Verteidiger sein zweites Tor und sorgte dafür, dass die Berliner nun gut gelaunt zum vierten Spiel am Dienstag nach Hamburg fahren können.

Eisbären-Trainer Pierre Pagé freute sich über den Zuschauerzuspruch in der Deutschlandhalle: „Das war gut für das Eishockey in Berlin.“ Mancher freute sich aber schon darauf, dass es für die Eisbären wieder in den Wellblechpalast zurückgeht. „Endlich wieder nach Hause“, sagte Manager Peter John Lee. „Es war hart, in einem anderen Haus leben zu müssen.“ Aber sportlich und finanziell war es komfortabel, immerhin gelangen den Eisbären in der Deutschlandhalle zwei Siege vor rund 7800 Zuschauern im Schnitt. Das fünfte Play-off-Spiel der Eisbären können am Freitag nur noch 5000 Zuschauer sehen. Mehr gehen nicht rein in die Halle im Sportforum.

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