Sport : Stützkäufe aus Istanbul

Nach Micky Maus und Kampfjets holt sich der türkische Unternehmer Sadettin Saran Borussia Dortmund ins Portfolio

Thomas Seibert[Istanbul]

Die Woche begann gut für Borussia Dortmund. Über Wochen und Monate hatte die Aktie des ersten und einzigen börsennotierten Klubs der Fußball-Bundesliga an Wert verloren. Dann kam die Nachricht, der türkische Unternehmer Sadettin Saran habe BVB-Aktien im Wert von vier Millionen Euro erworben – und schon erholte sich das Papier. Nach hohen Umsätzen an der Frankfurter Börse stieg der Kurs der Dortmunder Aktie von 1,87 auf über zwei Euro auf 2,04. So einen erfolgreichen Tag haben sie in der Geschäftsstelle am Westfalenstadion lange nicht.

Sadettin Saran ist einer der mächtigsten Männern im türkischen Sport. Der studierte Maschinenbau-Ingenieur ist Chef eines großen Mischkonzerns, der im Management von Spitzensportlern ebenso aktiv ist wie in der Rüstungsindustrie sowie im Unterhaltungssektor. Der in den USA geborene Saran hat den Dortmundern schon versprochen, er könne beim Kauf türkischer Spieler behilflich sein. Der Mann weiß, wovon er spricht, denn zu seinem Imperium gehört auch ein Unternehmen, das sich um das Management für Sportler und Talente kümmert.

Ein paar Jahre mischte Saran auch im Vorstand von Fenerbahce Istanbul mit. Er organisierte den Transfer des ukrainischen Stürmers Sergej Rebrow vom Premier-League-Klub Tottenham Hotspur nach Istanbul und arbeitete auch mit den deutschen Trainern Christoph Daum und Werner Lorant zusammen. Im Juni 2003 aber überwarf Saran sich mit Vereinschef Aziz Yildirim und verließ den Traditionsklub. Derzeit organisiert Sarans Unternehmen ein internationales Turnier im sonnigen Antalya – auch Borussia Dortmund nimmt teil.

Die „Saran Group“ stellt unter anderem Kinderkleidung mit Disney-Motiven und chemische Produkte her, ist in der Werbebranche tätig und fungiert außerdem als Türkei-Vertreter internationaler Rüstungskonzerne wie Lockheed und Raytheon. Auch im Fernsehgeschäft, bei der Vermarktung von Sportereignissen und bei der Synchronisierung amerikanischer Filme für den türkischen DVD-Markt mischt Saran mit.

Sollte Sarans Beteiligung an Borussia Dortmund der Beginn eines langfristigen Engagements sein, würde der Unternehmer tatsächlich Sportgeschichte schreiben. Türkische Klubs kaufen zwar seit Jahren Spieler und Trainer aus dem Ausland ein, doch die meisten Auslands-Verpflichtungen türkischer Spieler und Trainer in Westeuropa sind bisher kurze und relativ erfolglose Abstecher gewesen. Jüngstes Beispiel dafür war das ruhmlose Gastspiel des türkischen National-Torhüters Rüstü Recber in Barcelona. Da ist es für das nationale Selbstbewusstsein von nicht zu unterschätzendem Wert, dass sich ausgerechnet ein türkischer Unternehmer anschickt, einen der populärsten Klubs Europas zu retten.

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