Sport : Stumpf und stumpfer

Die Qualifikation bringt Mercedes kaum Hoffnung: Rosberg und Schumacher auf Platz neun und elf

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Aus der Bahn geraten. Michael Schumacher fand gestern beim Qualifying nie den Anschluss, im Freien Training war er noch vorne mitgefahren. Foto: dpa
Aus der Bahn geraten. Michael Schumacher fand gestern beim Qualifying nie den Anschluss, im Freien Training war er noch vorne...Foto: dpa

Ein Sonnenstrahl brach durch die dichte Wolkendecke über Hockenheim, eine kleine Hoffnung auf bessere Zeiten nach trüben Tagen voller Regen. Es hätten sich alle möglichen Wortspiele aufgedrängt im Zusammenhang mit dem Geschehen am Horizont und den Silberpfeilen des neuen Mercedes-Werksteams. Aber statt der erhofften Hoffnung auf eine goldene Zukunft brachte die Qualifikation für das Heimrennen auf dem Hockenheimring den Stuttgartern nur noch weitere Trübsal. Der Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher schied schon im zweiten Qualifikationsdurchgang aus und muss heute als Elfter in den Großen Preis von Deutschland starten. Seinem Stallgefährten Nico Rosberg erging es nur unwesentlich besser, er wurde Neunter. „Unsere Waffen sind stumpfer als gewünscht und gedacht“, sagte Schumacher. Rosberg drückte es ein wenig drastischer aus: „Das war eine absolute Katastrophe. Ich weiß nicht, was los war.“

So musste auch der angereiste Konzernchef Dieter Zetsche miterleben, dass sich der MGP-W01 trotz nochmaligen Tunings am Samstag als nicht konkurrenzfähig erwies und in der Formel-1-Hierarchie sogar hinter die Williams-Boliden zurückrutschte. Man habe die neuen Teile und Verbesserungen zum wiederholten Male nicht zum Laufen gebracht, erklärte Rosberg. Sein Auto habe auf der Hinterachse einfach keinen Grip gehabt. „Es kann nicht sein, dass ich 1,4 Sekunden von Red Bull entfernt bin. Irgendwie wurde mein Auto auch immer schlechter.“ Nur mit Hängen und Würgen hatte er sich noch in den dritten Teil des Qualifikationstrainings gerettet.

„Im Freien Training sah es noch ganz vernünftig aus mit Platz fünf und sechs“, sagte Schumacher. „Im Qualifying wurden wir doch etwas durchgereicht.“ Vielleicht könne man „am Start noch etwas ausrichten“, aber allzu großen Optimismus verbreitete der 41-Jährige nicht. Von einem Podestplatz, den er seinen zahlreichen Fans bei seiner Rückkehr an den Hockenheimring in Aussicht gestellt hatte, wollte er auch nicht mehr reden. „Man muss realistisch sein. Ich würde ihnen gerne das Podest servieren; das hatte ich anvisiert, aber das wird von unserem Startplatz aus kritisch.“ Es gebe keinen Grund, „warum wir morgen schneller sein sollten“.

Warum sein Team trotz der Verbesserungen am Auto sogar wieder etwas zurückgefallen ist, konnte sich Michael Schumacher nicht erklären. „Wir kommen hier eigentlich ganz gut zurecht.“ Es habe Probleme mit den Bremsen und dadurch Vibrationen am Auto gegeben, „aber das ist nicht der Grund, warum uns so viel Zeit gefehlt hat“. Rosberg wollte vor lauter Enttäuschung sogar seine Titelambitionen über Bord werfen: „Ich hatte mir hier eigentlich einen großen Schritt nach vorn erhofft. Stattdessen war es einer zurück – jetzt sieht es nicht mehr so gut aus.“

Die einzige Hoffnung, die Michael Schumacher seinen Fans noch geben konnte, war die Flucht ins Übersinnliche: „Ich kann nur sagen: Daumen drücken und vielleicht einen Regentanz aufführen.“ Dass die Wolken ihn im Rennen retten werden, ist aber nicht unbedingt zu erwarten. Erstens hatte Schumacher im verregneten Freien Training am Freitag nicht besonders gut ausgesehen und war Vorletzter geworden. Und zweitens sagt der Wetterbericht für heute Nachmittag in Hockenheim 21 Grad und Sonne voraus.

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