Sport : Sturm gegen die Gewohnheit

Hertha BSC will in Dortmund die schwache Auswärtsbilanz verbessern

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Fußball sei wie eine Inszenierung auf der Bühne eines Theaters, sagt Marko Pantelic. Deshalb verneigt sich der Stürmer des Bundesligisten Hertha BSC vor dem Publikum und zieht seinen imaginären Hut, wenn er nach einer guten Vorstellung ausgewechselt wird. Eine starke Leistung ist dem 27-Jährigen in dieser Saison schon häufiger gelungen: In neun Spielen erzielte der Serbe vier Tore und bereitete drei Treffer vor – alle im Olympiastadion. Heute will der Angreifer erstmals auch auswärts erfolgreich sein, wenn Hertha im Westfalenstadion gegen Borussia Dortmund antritt. „Wir werden siegen“, sagt Pantelic.

Die Statistik spricht allerdings gegen seine Mannschaft. Nicht nur, dass Hertha in Dortmund seit 33 Jahren nicht mehr gewinnen konnte, zusätzlich sind die Berliner in dieser Saison auswärts noch beinahe genauso erfolglos wie ihr Stürmer Pantelic. Nur sechs Punkte holte das Team in fremden Stadien, dafür bereits 15 im Olympiastadion. Die Unsicherheit des Angreifers auf den Plätzen außerhalb Berlins ist ein Grund für Herthas Auswärtsschwäche. Die Tore des Serben sind nämlich wie eine Garantie für Siege: Alle vier Spiele, in denen er getroffen hat, gewann sein Team. Der andere Grund könnte die schwache Defensivleistung sein. Herthas Verteidigung wirkte auf fremden Plätzen längst nicht so stabil wie in der vergangenen Spielzeit, in der die Berliner in der Auswärtstabelle sogar besser abgeschnitten hatten als in der Heimtabelle. „Unsere Abwehr muss auswärts unbedingt wieder besser werden“, sagt Trainer Falko Götz. Elf von 16 Gegentoren kassierten die Berliner auswärts. In der gesamten abgelaufenen Saison waren es dort nur 18.

Und das, obwohl Falko Götz seine Mannschaft auf fremden Plätzen sehr defensiv auftreten ließ, zumeist mit nur einer Spitze. Dies könnte wiederum mit Pantelics Erfolgslosigkeit außerhalb des Olympiastadions zusammenhängen. In den vier Spielen, die der Serbe in fremden Stadien bestritt, war er im Sturm stets auf sich allein gestellt. Der auswärts weit nach vorn gezogene Marcelinho bewegt sich nicht im Angriffszentrum. Er bindet damit keinen gegnerischen Verteidiger und kann die Räume für Pantelic nicht so freiziehen, wie es ein richtiger zweiter Stürmer tun würde. Lediglich zu Hause traute sich Trainer Falko Götz, neben Pantelic noch einen weiteren Angreifer beginnen zu lassen.

Götz’ Gründe dafür waren nachvollziehbar – den Sturmkollegen von Pantelic fehlte jegliche Treffsicherheit. Inzwischen hat sich das teilweise geändert: Angreifer Nando Rafael erzielte in den vergangenen beiden Bundesligaspielen zwei Tore, in der U-21-Nationalmannschaft gelangen ihm in den abgelaufenen vier Spielen sogar vier Treffer. „Wenn Nando solche Leistungen bringt, ist es für mich keine Frage, mit zwei Spitzen spielen zu lassen“, sagt Götz.

So wird der Trainer in Dortmund wohl von seiner auswärts gewohnten Aufstellung mit einem Stürmer abrücken können. Und auch sonst glaubt Götz, „dass die Voraussetzungen für einen Sieg dort lange nicht mehr so günstig waren“. Damit meint er die personelle Situation Dortmunds. Fünf Spieler fehlen aufgrund eines Kreuzbandrisses.

Auch Pantelic ist angeschlagen, er leidet unter Leistenbeschwerden. Darüber will der Stürmer aber nicht sprechen. Im Training fasste er sich in dieser Woche jedoch häufig an die Leiste und presste die Zähne aufeinander. Vor dem Spiel gegen Kaiserslautern hatte er noch verkündet, „auch mit Höllenschmerzen zu spielen“. Das war im Verein nicht gut angekommen. Jetzt sagt er: „Meine Verletzung soll kein Thema sein.“ Marko Pantelic beherrscht die Inszenierung.

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